KV Niedersachsen fordert begrenzte ärztliche Leistungen bei begrenzter Vergütung

Symposium am 2. Mai 2012 in Hannover

Beim Symposium „Begrenzte Vergütung - begrenzte Leistungen“ der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) am 2. Mai in Hannover diskutierten Gesundheitsexperten, wie viel unsere Gesellschaft bereit ist, für Gesundheit auszugeben und ob die Begrenzung von Leistungen bei einer begrenzten Vergütung legitim ist.

„Das Thema ‘Begrenzte Vergütung - begrenzte Leistungen‘ ist ein Kernziel unserer politischen Arbeit in dieser Wahlperiode“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KVN, Mark Barjenbruch, vor Journalisten in Hannover. Wir sind von unseren Mitgliedern aufgefordert, Konsequenzen aus einem Honorarsystem zu ziehen, das seit zwanzig Jahren budgetiert ist. Auf dem Symposium werden wir gemeinsam mit Fachleuten Konsequenzen diskutieren, ärztliche Leistungen zu begrenzen“, so Barjenbruch.

„Die erst jüngst wieder aufgeflackerte Kontroverse um die Individuellen Gesundheitsleistungen in Arztpraxen hat deutlich gemacht: Es wäre fatal, wenn der Eindruck entstünde, der Ärzteschaft ginge es um eine Kappung sinnvoller medizinischer Leistungen, um sie dann als teure Privatleistungen vermarkten zu können. Es geht vielmehr um die Priorisierung ärztlicher Leistungen“, ergänzte KVN-Vize, Dr. Jörg Berling.“ „Priorisierung ist der Leitbegriff für eine längst überfällige, selbstkritische gesellschaftliche Diskussion über den Umgang mit unseren medizinischen Ressourcen“, so Berling.

Nicht alles wird in Zukunft noch bezahlbar sein

Dass diese Diskussion von der ärztlichen Selbstverwaltung angestoßen wird, ergibt sich aus ihrem Auftrag - der Sicherstellung der medizinischen Versorgung. „Wir haben darauf zu achten, dass die Medizin gleichermaßen bezahlbar bleibt und den Praxen eine leistungsgerechte Vergütung sichert“, machte Barjenbruch klar und führte weiter aus. „Das kann auch den Abschied von vermeintlich selbstverständlichen Standards in der Arztpraxis bedeuten. Nicht alles wird in Zukunft noch bezahlbar sein. Aber darin liegt auch eine Chance - die der Rückbesinnung auf die elementaren medizinischen Standards, auf die Kerntätigkeiten des Arztes, auf eine am wirklichen Versorgungsbedarf der Patienten orientierte Zuwendungsmedizin.“

„Die KVN kann und will diese Fragen nicht im Alleingang beantworten. Aber wir können und wir werden sie beharrlich stellen, so auf dem heutigen Symposium. Im gesellschaftlichen Dialog mit anderen Verbänden und der Politik wollen wir dann nach Gemeinsamkeiten suchen und Lösungsansätze für diese Zukunftsaufgabe unseres Gesundheitswesens entwickeln“, sagte Dr. Berling.

Fragen und Kernaussagen zur Priorisierung präsentierten der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Frank-Ulrich Montgomery. Dr. Jörg Berling, stellv. Vorstandsvorsitzender der KVN, trat für eine Rückbesinnung auf die ärztlichen Kerntätigkeiten ein. Dr. Stefan Etgeton von der Bertelsmann Stiftung beleuchtete ein bürgerorientiertes Gesundheitswesen unter begrenzten Ressourcen. Dr. Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen, sprach über Rationalisierung, Priorisierung und Rationierung aus Sicht der Krankenkassen (v. l.).

Die Referate

Begrüßung durch Dr. Jörg Berling, stellv. Vorstandsvorsitzender der KVN
Referat von Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender KVN
Referat von Dr. Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer
Referat von Dr. Stefan Etgeton, Bertelsmann-Stiftung
Referat von Dr. Jürgen Peter, AOK Niedersachsen



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