Laborreform ab 2/18 - nachhaltige Mengenbegrenzung erforderlich

Seit Jahren steigt die Leistungsmenge im Laborbereich deutlich stärker als die Entwicklung der Gesamtvergütung. Dies führte regelmäßig zu einer Quersubvention des Labors durch die RLV und QZV.

Dieser Entwicklung soll die Laborreform ab 2/18 entgegen wirken. Die Laborreform besteht aus verschiedenen Regelungskreisen, die in den nächsten Jahren sukzessive umgesetzt werden.

Sie startet im April 2018 mit einer grundlegenden Änderung zum Wirtschaftlichkeitsbonus und verschiedenen Mengenbegrenzungsregelungen im HVM.

Wirtschaftlichkeitsbonus

Hier gibt es zum einen eine komplett neue „Architektur“ und zum anderen deutliche Einschränkungen bei den Ausnahmeregelungen.

Während bislang je Praxis ein Laborbudget gebildet wurde, gegen das die Veranlassung, der Bezug und die Erbringung von Laborleistungen lief, erfolgt künftig ein Vergleich des praxisspezifischen Laborfallwertes mit entsprechend definierten Fallwerten der Fachgruppe.

Für die jeweilige Fachgruppe wird ein unterer und ein oberer begrenzender Fallwert aus dem 1. und dem 3. Quartil gebildet.

Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale des EBM Kapitels bzw. Abschnitts

 

Arztgruppe

Unterer begrenzender Fallwert in Euro

Oberer begrenzender Fallwert in Euro

3

Allgemeinmedizin, hausärztliche Internisten und praktische Ärzte

1,60

3,80

4

Kinder- und Jugendmedizin

0,90

2,40

7

Chirurgie

0,00

0,40

8

Gynäkologie, Fachärzte ohne SP Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

1,00

2,60

8

Gynäkologie, SP Endokrinologie und Reproduktionsmedizin: Nur für Ärzte, die die Gebührenordnungspositionen 08520, 08531,

08541, 08542, 08550, 08551, 08552, 08560

und 08561 berechnen

 

3,90

 

60,80

9

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

0,10

0,80

10

Dermatologie

0,50

2,30

11

Humangenetik

0,00

2,80

13.2

Innere Medizin, fachärztliche Internisten ohne SP

1,20

4,60

13.3.1

Innere Medizin, SP Angiologie

0,20

2,00

13.3.2

Innere Medizin, SP Endokrinologie

12,60

71,70

13.3.3

Innere Medizin, SP Gastroenterologie

1,60

6,30

13.3.4

Innere Medizin, SP Hämatologie/Onkologie

10,90

30,50

13.3.5

Innere Medizin, SP Kardiologie

0,30

1,50

13.3.6

Innere Medizin, SP Nephrologie

22,20

55,90

13.3.7

Innere Medizin, SP Pneumologie

0,80

5,20

13.3.8

Innere Medizin, SP Rheumatologie

8,40

35,30

16

Neurologie, Neurochirurgie

0,00

0,90

17

Nuklearmedizin

0,10

17,90

18

Orthopädie, Fachärzte ohne SP Rheumatologie

0,00

0,40

18

Orthopädie, SP Rheumatologie: Nur für Ärzte, die die Gebührenordnungsposition 18700 berechnen

 

0,20

 

1,40

20

Phoniatrie, Pädaudiologie

0,00

0,40

21

Psychiatrie

0,00

0,30

26

Urologie

2,40

7,10

27

Physikalische und Rehabilitative Medizin

0,00

0,30

30.7

Schmerztherapie

0,00

0,40

Ist der Fallwert der Praxis kleiner / gleich dem fachgruppenspezifischen unteren begrenzenden Fallwert, gilt die Praxis als wirtschaftlich und der Wirtschaftlichkeitsbonus kommt voll zur Auszahlung.

Ist der Fallwert der Praxis größer / gleich dem fachgruppenspezifischen oberen begrenzenden Fallwert, gilt die Praxis als unwirtschaftlich und der Wirtschaftlichkeitsbonus kommt gar nicht zur Auszahlung.

Liegt der praxisspezifische Fallwert zwischen vorgenannten Grenzwerten, kommt der Wirtschaftlichkeitsbonus anteilig zur Auszahlung. Hierfür ist eine Berechnungsformel definiert, die wir am Beispiel wie folgt erläutern:

Berechnung des Wirtschaftlichkeitsbonus am Beispiel Gynäkologie

Hätte der praxisspezifische Fallwert im Beispiel nicht 2,00 €, sondern max. 1,00 € betragen, wäre der Wirtschaftlichkeitsbonus mit 1000 x 10 Punkten x 0,106543 €, also mit 1065,43 € zur Auszahlung gekommen. Bei einem praxisindividuellen Fallwert ab 2,60 € hingegen hätte es keinen Wirtschaftlichkeitsbonus gegeben.

Auch die Fachgruppensystematik wurde zum Teil geändert, nicht mehr alle Fachgruppen erhalten einen Wirtschaftlichkeitsbonus.

Wirtschaftliche Erbringung und/oder Veranlassung von Leistungen der Abschnitte 32.2 und/oder 32.3 (in Punkten) im Behandlungsfall, in dem mindestens eine Versicherten-, Grund- und/oder Konsiliarpauschale der Kapitel 3, 4, 7 bis 11, 13, 16 bis 18, 20, 21, 26, 27 oder 30.7 abgerechnet wird:

Versicherten-, Grund- oder Konsiliar- pauschale des EBM Kapitels bzw.

Abschnitts

 

Arztgruppe

 

Punkte

3

Allgemeinmedizin, hausärztliche Internisten und praktische Ärzte

19

4

Kinder- und Jugendmedizin

17

7

Chirurgie

3

8

Gynäkologie, Fachärzte ohne SP Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

 

10

8

Gynäkologie, SP Endokrinologie und Reproduktionsmedizin: Nur für Ärzte, die die Gebührenordnungspositionen 08520, 08531, 08541, 08542, 08550,

08551, 08552, 08560 und 08561 berechnen

 

37

9

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

6

10

Dermatologie

10

11

Humangenetik

3

13.2

Innere Medizin, fachärztliche Internisten ohne SP

15

13.3.1

Innere Medizin, SP Angiologie

10

13.3.2

Innere Medizin, SP Endokrinologie

37

13.3.3

Innere Medizin, SP Gastroenterologie

15

13.3.4

Innere Medizin, SP Hämatologie/Onkologie

23

13.3.5

Innere Medizin, SP Kardiologie

6

13.3.6

Innere Medizin, SP Nephrologie

37

13.3.7

Innere Medizin, SP Pneumologie

15

13.3.8

Innere Medizin, SP Rheumatologie

23

16

Neurologie, Neurochirurgie

6

17

Nuklearmedizin

23

18

Orthopädie, Fachärzte ohne SP Rheumatologie

3

18

Orthopädie, SP Rheumatologie: Nur für Ärzte, die die Gebührenordnungsposition 18700 berechnen

6

20

Phoniatrie, Pädaudiologie

3

21

Psychiatrie

3

26

Urologie

15

27

Physikalische und Rehabilitative Medizin

3

30.7

Schmerztherapie

3


Die geänderte Leistungsbewertung resultiert aus Änderungen in der Falldefinition und im Umfang der Ausnahmefälle. Hier wurden einzelne Untersuchungsindikationen gestrichen und den verbleibenden wurden konkret die relevanten Laborparameter zugeordnet.

Während z. B. bislang für einen Diabetiker mit der Kenn-Nummer 32022 alle Laborleistungen außerhalb des Laborbudgets erbracht werden konnten, sind künftig nur noch die Diabetes-relevanten fünf Parameter ausgenommen.

Behandlungsfälle mit einer oder mehreren der nachfolgend aufgeführten Untersuchungsindikationen sind mit der (den) zutreffenden Kennnummer(n) zu kennzeichnen. Für diese Behandlungsfälle bleiben die für die jeweilige Untersuchungsindikation genannten Gebührenordnungspositionen bei der Ermittlung des arztpraxisspezifischen Fallwertes unberücksichtigt.

Die Kennnummer(n) des Behandlungsfalls ist (sind) ausschließlich in der Abrechnung der beziehenden, eigenerbringenden oder veranlassenden Arztpraxis anzugeben. Eine Komplettaufstellung der Kennnummern zum Wirtschaftlichkeitsbonus findet sich auf der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit der Möglichkeit der interaktiven Klartextanzeige. Zur KBV-Tabelle

Mengenbegrenzung

Die Mengenbegrenzung erfolgt über Regelungen im HVM ab 2/18. Bislang wurden alle Laboranforderungen mit der Laborquote Q auf 91,58 % begrenzt. Künftig gilt eine Quote von 89 % für die Leistungen, die nicht dem Individualbudget unterliegen.

Individualbudgets werden für Laborärzte einerseits und andererseits für so genannte Eigen-Speziallabore anderer Fachgruppen gebildet. Die für letztere bislang angewandte so genannte Fallwertmethode und deren Ausnahmen finden keine Anwendung mehr.

Individualbudgets werden je Arzt ermittelt und erstmals für 2/18 je Praxis zugewiesen. Das Individualbudget beträgt 89 % der Leistungsanforderung im jeweiligen Quartal des Zeitraumes 2/17 bis 1/18. Darüber hinausgehende Leistungsanforderungen werden nur zu 35 % vergütet. Hierzu ein Beispiel.

Je stärker die Leistungsmenge in der Praxis steigt, desto geringer wird die Vergütungsquote.

Dies sollte zur nachhaltigen Mengenbegrenzung bei den Laborleistungen beitragen.


Ausblick

Die nächsten Schritte zur Laborreform kommen mit einer Neubewertung der Leistungen und der Einführung eines Indikationsbezuges wo sinnvoll und möglich, beides allerdings sicher nicht vor 2020.


Appell der Vorsitzenden der Vertreterversammlung der KVN

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die in diesem Heft dargestellte Laborreform wird letztlich uns alle betreffen, so dass wir unseren Appell des sorgsamen Umgangs mit der Ressource Labor auch an Sie alle richten möchten:

Die gegenüber der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung deutlich stärkere Mengendynamik im Labor mit bundesweit rund 5 % jährlich, der daraus resultierende Druck auf die RLV/QZV und die wechselseitigen Schuldzuweisungen für die Verantwortung hierfür haben Haus- und Fachärzte zumindest auf der berufspolitischen Ebene vor große Herausforderungen gestellt. So ist die Laborreform letztlich ein Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Interessen von Hausärzten und Fachärzten. Die zur Umsetzung erforderlichen Beschlüsse hat die Vertreterversammlung der KVN am 03. März gefasst.

Die Neuregelungen zum Wirtschaftlichkeitsbonus richten sich auch und insbesondere an die Hausärzte. Eine Begrenzung der Mengen(-entwicklung) stabilisiert bzw. erhöht ggf. den Wirtschaftlichkeitsbonus. Die Absenkung der Laborvergütung von 91,58 auf 89 % verhindert einen weiteren Rückgang der RLV-/QZV-Fallwerte, zu deren Lasten Mengensteigerungen im Akutlabor, in Laborgemeinschaften und im Speziallabor letztlich gehen. Für das Speziallabor wird es künftig Individualbudgets geben. Dort tragen für diesen Bereich die Fachärzte das finanzielle Risiko der Mengenentwicklung. Aber auch den veranlassenden Ärzten aller Fachgruppen sollte daran gelegen sein, dass die Ressource Labor zum Wohl der Patienten indikationsgerecht eingesetzt wird. Es gilt zu vermeiden, dass der auf berufspolitischer Ebene zwischen Haus- und Fachärzten beigelegte Dissens in die tägliche haus- und fachärztliche Praxis hereingetragen wird und letztlich vielleicht sogar der Patient der Leidtragende ist.

Der indikationsgerechte Einsatz der Ressource Labor verhindert zudem die wachsende Gefahr von Plausibilitäts- und Wirtschaftlichkeitsprüfungen einschließlich Honorarrückforderungen. Dies soll bereits jetzt die geplante nächste Stufe der Laborreform unterstützen, wenn ab 2021 der Indikationsbezug für den Einsatz von Laborleistungen ganz konkret Einzug in den EBM halten soll. Denn wir sollten nicht erst auf Restriktionen im EBM warten, sondern das, was ärztliche Tätigkeit ausmacht, sprich den indikationsgerechten Einsatz des Labors, unabhängig davon jeden Tag aufs Neue leben.

Dr. Titz

Vorsitzender der Vertreter-
versammlung der KVN und Gynäkologe

Dr. Lummert

stellvertr. Vorsitzender der Vertreter-
versammlung der KVN und Hausarzt


Weitere Hinweise

Praxisinformationen der KBV zur Laborreform


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