TI-Rollout

Die Telematik-Infrastruktur soll in Zukunft sämtliche Akteure des deutschen Gesundheitswesens miteinander vernetzen. Ein gigantisches Projekt. Es soll die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen, die Wirtschaftlichkeit, Qualität und Transparenz in der Patientenversorgung zu verbessern und den sicheren Datenaustausch zwischen Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern, Apotheken und Krankenkassen ermöglichen. Im Grunde handelt es sich um eine geschützte Variante des Internets nur für Angehörige der Heilberufe. Seine Grundlage hat es in dem Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen, dem eHealth-Gesetz aus dem Jahre 2016. Das Gesetz verpflichtet alle Praxen, die technischen Installationen für eine Anbindung an die TI-Infrastruktur vorzunehmen. 

Die KVN stellt sich nicht gegen dieses Vorhaben, kritisiert aber die Bedingungen, unter denen es umgesetzt werden soll.

Nach den gesetzlichen Festlegungen im E-Health-Gesetz und den aktuellen Beschlüssen der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik) sollen bis zum 30. Juni 2018 alle niedergelassenen Ärzte und Kliniken an die neue Telematik-Infrastruktur (TI) im Gesundheitswesen angeschlossen sein. Dazu soll in diesen Tagen das flächendeckende Rollout der neuen Telematikinfrastruktur beginnen. Dieser vorgegebene Zeitplan erscheint aber zunehmend unrealistisch. Das ist nicht die Schuld der Ärzteschaft. Doch sie soll dafür gerade stehen. Das wohl komplexeste Projekt der Gesundheitsversorgung wird in zu enge Zeitvorgaben gezwängt, ohne dass die notwendigen Voraussetzungen dafür geschaffen wurde.

Vom Konnektor als zentralem Modul gibt es derzeit nur ein einsatzfähiges Modell. Doch das steht nicht wie geplant zum 1. Juli zur Verfügung. Die notwendige Zertifizierung steht noch aus. Bis das Gerät in die Serienauslieferung geht, könnte es November werden. Ein Unternehmen kann also so lange den Preis bestimmen, bis weitere Konkurrenzprodukte zertifiziert und lieferfähig am Markt sind. Das wird wohl nicht vor dem Frühjahr 2018 der Fall sein. Es ist unwahrscheinlich, dass bis Mitte 2018 deutschlandweit 150.000 Arztpraxen, 40.000 Zahnarztpraxen und 2.000 Krankenhäuser mit den IT-Komponenten ausgestattet und vernetzt sind.

Für die Anschaffung der technischen Geräte und deren Installation sollen die Praxen über die Kassenärztlichen Vereinigungen Erstattungen bekommen. Dies haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Krankenkassen jüngst vereinbart. Doch über manche Details wird immer noch mit den Krankenkassen gestritten. Auch über viele technische Details herrscht derzeit noch Unklarheit.

Die KVN wird an dieser Stelle über den aktuellen Umsetzungsstand beim TI-Rollout, weitere technische Festlegungen und rechtliche Klarstellungen informieren. 


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