Machen Sie Ihre Praxis fit für die Telematikinfrastruktur

Wissenswertes zur Ausstattung und Finanzierung bei der Anbindung ans Gesundheits-Datennetz

Deutschlands größtes elektronisches Gesundheitsnetz entsteht: die Telematikinfrastruktur (TI) im Gesundheitswesen. In den kommenden Monaten sollen alle Praxen in Deutschland an die TI angeschlossen werden. Was Sie als Vertragsarzt oder -psychotherapeuten dazu wissen sollten, fassen wir auf den folgenden Seiten zusammen. Wir geben einen Überblick über die notwendige technische Ausstattung und die Finanzierung. Zudem geben wir Ihnen Tipps und Hinweise, wie Sie sich und Ihre Praxis auf den Einstieg in die TI vorbereiten können, und informieren Sie über den aktuellen Stand bei der Einrichtung der TI.


Was ist die Telematikinfrastruktur (TI)?

Ärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte, Krankenhäuser sowie andere Akteure des Gesundheitswesens sollen künftig schneller und einfacher miteinander auf digitalem Wege miteinander kommunizieren sowie medizinische Daten austauschen können. Das dafür notwendige digitale Kommunikationsnetz ist die Telematikinfrastruktur – ein gigantisches Projekt. Es soll die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen, die Wirtschaftlichkeit, Qualität und Transparenz in der Patientenversorgung zu verbessern und den sicheren Datenaustausch zwischen Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern, Apotheken und Krankenkassen ermöglichen. Im Grunde handelt es sich um eine geschützte Variante des Internets nur für Angehörige der Heilberufe.

Verantwortlich für den Aufbau, Betrieb und die Weiterentwicklung der TI ist die „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte“, kurz gematik. Gesellschafter der gematik sind der GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Bundesärztekammer und die Bundeszahnärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Apothekerverband.


Enger Zeitplan

Ein zentraler Bestandteil der Telematik-Infrastruktur ist die Elektronische Gesundheitskarte. Auf ihr werden künftig medizinische Informationen gespeichert sein oder über sie soll auf medizinische Daten zugegriffen werden können. Die Datensicherheit hat dabei Vorrang – das hatte der Gesetzgeber bereits 2003 beschlossen. Seither läuft die Erprobung der Gesundheitskarte in mehreren Modellversuchen.

Im Jahr 2015 kamen mit dem E-Health-Gesetz konkrete Anwendungen und Zeitpläne für die Einführung der TI hinzu. Das E-Health-Gesetz enthält einen Fahrplan für die Einführung einer digitalen Infrastruktur mit höchsten Sicherheitsstandards sowie für die Einführung telemedizinischer Anwendungen auf der elektronischen Gesundheitskarte.

Wichtigstes Datum: Ab 1. Juli 2018 sollen alle Praxen in der Lage sein, am Versicherten-Stammdatenmanagement (VSDM) teilzunehmen. Dafür müssen sie an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein und über Kartenlesegeräte verfügen, die in der Lage sind, die auf der elektronischen Patientenkarte (eGK) gespeicherten Daten online abzugleichen und ggf. zu ändern. Praxen, die ab 1. Juli 2018 dazu nicht in der Lage sind, drohen Honorarkürzungen von einem Prozent ihres Honorars im Quartal.

Als weitere Online-Anwendungen sind dann vorgesehen: Das Notfall-Datenmanagement, der elektronische Medikationsplan, die Online-Sprechstunde, medizinische Telekonsile, der elektronische Arztbrief. In den nächsten Jahren sollen weitere Anwendungen wie z.B. die digitale Patientenakte an den Start gehen. 

Für die erforderlichen Geräte und deren Anschluss an die Datenautobahn erhalten die Praxen finanzielle Zuschüsse. Mit deren Freigabe und Auszahlung sind die Kassenärztlichen Vereinigungen beauftragt.


Film zur Umsetzung

Wie die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur in den Praxen und die Kostenerstattung vor sich gehen sollen, haben wir in einem kurzen Film dargestellt:


Aktueller Stand

Bisher wurde keine der erforderlichen technischen Komponenten für den Betrieb zugelassen. Das heißt: Es kann zurzeit auch noch keine Praxis an die TI angeschlossen werden. Das Bundesgesundheitsministerium will den Termin, ab dem Ärzte und Psychotherapeuten spätestens die Daten der Versicherten auf der elektronischen Gesundheitskarte abgleichen müssen, vom 31. Juli 2018 auf den 31. Dezember 2018 verschieben. Die notwendige Abstimmung im Bundesrat soll im November 2017 stattfinden.

Finanzierung

Ärzte und Psychotherapeuten müssen nicht selbst für die Anbindung ihrer Praxen an die TI aufkommen. Finanziell gefördert wird eine Praxis ab dem Zeitpunkt, an dem sie erstmalig das VSDM durchgeführt hat. Ab dann hat sie Anspruch auf die Pauschalen für die Erstausstattung sowie die Pauschalen für den laufenden Betrieb. Dies gilt auch für den Praxisausweis und den eHBA. Die KVN prüft im Verzuge der Quartalsabrechnung, ob eine Praxis den Online-Stammdatenabgleich vorgenommen hat, und zahlt dann die der Praxis zustehenden Beträge automatisch aus. Ein Antrag wird nur notwendig, wenn eine Praxis vorab eine Abschlagszahlung auf die TI-Anbindung erhalten möchte. Das Formular dafür ist derzeit in Vorbereitung. Wir werden Sie informieren, wenn es verfügbar ist.

Empfehlung für Praxen

Ärzte und Psychotherapeuten sollten erst dann einen Vertrag zum Anschluss an die TI abschließen, wenn wirklich sicher ist, dass alle notwendigen Komponenten lieferbar sind. Fehlt auch nur ein Teil, kann die Praxis das VSDM nicht durchführen. Unter Umständen, also wenn ein Quartalswechsel dazwischen liegt, wirkt sich das auf die Höhe der Pauschale aus, die die Praxis bei ihrer Kassenärztlicher Vereinigung (KV) für die TI-Ausstattung abrechnen kann.

SMC-B-Karte erforderlich

Für den Online-Stammdatenabgleich benötigt jede Praxis eine SMC-B-Karte (Secure Medical Card Type B), um sich im TI-System zu legitimieren. Fehlt sie, kann das Versichten-Stammdatenmanagement bei der Installation nicht durchgeführt werden. Bitte bestellen Sie die Karte rechtzeitig.


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