Machen Sie Ihre Praxis fit für die Telematikinfrastruktur

Wissenswertes zur Ausstattung und Finanzierung bei der Anbindung ans Gesundheits-Datennetz

Deutschlands größtes elektronisches Gesundheitsnetz entsteht: die Telematikinfrastruktur (TI) im Gesundheitswesen. In den kommenden Monaten sollen alle Praxen in Deutschland an die TI angeschlossen werden. Was Sie als Vertragsarzt oder -psychotherapeuten dazu wissen sollten, fassen wir auf den folgenden Seiten zusammen. Wir geben einen Überblick über die notwendige technische Ausstattung und die Finanzierung. Zudem geben wir Ihnen Tipps und Hinweise, wie Sie sich und Ihre Praxis auf den Einstieg in die TI vorbereiten können, und informieren Sie über den aktuellen Stand bei der Einrichtung der TI.

Aktuell: Praxisausweis - Zulassung für den vertragsärztlichen Bereich erteilt

Die KBV hat am 06.12.2017 die Bundesdruckerei als Anbieter von Praxisausweisen (SMC-B) für den vertragsärztlichen Bereich zugelassen. Damit steht auch für Vertragsärzte eine vollständige Produktkette zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur zur Verfügung. Eine Bestellung des Praxisausweises ist ab sofort über das Bestellportal der Bundesdruckerei möglich:

Internet: https://ehealth.d-trust.net/antragsportal/

SNK:        dtrust.kv-safenet.de

Nach der Bestellung kann es bis zu zwei Wochen dauern, bis der Praxisausweis und die dazugehörige PIN, die aber separat zugestellt wird, in der Praxis ankommen.

Erste Komponenten zur Anbindung an die TI zugelassen

Für die Anbindung der Praxen an die Telematikinfrastruktur sind im November die ersten Komponenten zugelassen worden. Bei den von der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik) zugelassenen Komponenten handelt es sich um einen Konnektor („KoCoBox MED+“ des Unternehmens KoCo Connector), ein E-Health-Kartenterminal („ORGA 6141 online“ des Unternehmens Ingenico Healthcare) und einen VPN-Zugangsdienst (CompuGroup Medical Deutschland). In der folgenden Übersicht ist für alle TI-relevanten Komponenten dargestellt, welche Anbieter bereits über die notwendigen Zulassungen verfügen (Link).

Was ist die Telematikinfrastruktur (TI)?

Ärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte, Krankenhäuser sowie andere Akteure des Gesundheitswesens sollen künftig schneller und einfacher miteinander auf digitalem Wege miteinander kommunizieren sowie medizinische Daten austauschen können. Das dafür notwendige digitale Kommunikationsnetz ist die Telematikinfrastruktur – ein gigantisches Projekt. Es soll die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen, die Wirtschaftlichkeit, Qualität und Transparenz in der Patientenversorgung zu verbessern und den sicheren Datenaustausch zwischen Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern, Apotheken und Krankenkassen ermöglichen. Im Grunde handelt es sich um eine geschützte Variante des Internets nur für Angehörige der Heilberufe.

Verantwortlich für den Aufbau, Betrieb und die Weiterentwicklung der TI ist die „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte“, kurz gematik. Gesellschafter der gematik sind der GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Bundesärztekammer und die Bundeszahnärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Apothekerverband.

Wichtigstes Datum: Ab 1. Januar 2019 sollen alle Praxen in der Lage sein, am Versicherten-Stammdatenmanagement (VSDM) teilzunehmen. Dafür müssen sie an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein und über Kartenlesegeräte verfügen, die in der Lage sind, die auf der elektronischen Patientenkarte (eGK) gespeicherten Daten online abzugleichen und ggf. zu ändern. Praxen, die ab 1. Januar 2019 dazu nicht in der Lage sind, drohen Honorarkürzungen von einem Prozent ihres Honorars im Quartal.

Als weitere Online-Anwendungen sind später vorgesehen: Das Notfall-Datenmanagement, der elektronische Medikationsplan, die Online-Sprechstunde, medizinische Telekonsile, der elektronische Arztbrief. In den nächsten Jahren sollen weitere Anwendungen wie z.B. die digitale Patientenakte an den Start gehen.

Für die erforderlichen Geräte und deren Anschluss an die Datenautobahn erhalten die Praxen finanzielle Zuschüsse. Mit deren Freigabe und Auszahlung sind die Kassenärztlichen Vereinigungen beauftragt.

Film zur Umsetzung

Wie die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur in den Praxen und die Kostenerstattung vor sich gehen sollen, haben wir in einem kurzen Film dargestellt:

Finanzierung

Ärzte und Psychotherapeuten müssen nicht selbst für die Anbindung ihrer Praxen an die TI aufkommen. Finanziell gefördert wird eine Praxis ab dem Zeitpunkt, an dem sie erstmalig das VSDM durchgeführt hat. Ab dann hat sie Anspruch auf die Pauschalen für die Erstausstattung sowie die Pauschalen für den laufenden Betrieb. Dies gilt auch für den Praxisausweis und den eHBA. Die KVN prüft im Verzuge der Quartalsabrechnung, ob eine Praxis den Online-Stammdatenabgleich vorgenommen hat, und zahlt dann die der Praxis zustehenden Beträge automatisch aus. Ein Antrag ist nur notwendig, wenn eine Praxis vorab eine Abschlagszahlung auf die TI-Anbindung erhalten möchte. Weitere Informationen dazu und den Link zum Antragsformular finden Sie hier.

Empfehlung für Praxen

Ärzte und Psychotherapeuten sollten erst dann einen Vertrag zum Anschluss an die TI abschließen, wenn wirklich sicher ist, dass alle notwendigen Komponenten lieferbar sind. Fehlt auch nur ein Teil, kann die Praxis das VSDM nicht durchführen. Unter Umständen, also wenn ein Quartalswechsel dazwischen liegt, wirkt sich das auf die Höhe der Pauschale aus, die die Praxis bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung für die TI-Ausstattung abrechnen kann.


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