Ärztlicher Notdienst: Wir brauchen mehr Patientensteuerung

In der anhaltenden öffentlichen Diskussion um die ambulante Notfallversorgung hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, an die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger appelliert. „Patienten mit einer nicht lebensbedrohlichen Erkrankung, die außerhalb der Sprechzeiten einen Arzt konsultieren müssen, sollten nicht gleich die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufsuchen“, betonte Barjenbruch.

Für diese Fälle sei der ambulante Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen die erste Anlaufstelle. „Die KVN hat den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst in den vergangenen Jahren reformiert und gut organisiert. Dabei ist vor allem die Erreichbarkeit für die Patienten verbessert worden. Wir haben in oder an 62 niedersächsischen Kliniken unsere kassenärztliche Bereitschaftsdienstpraxis etabliert“, so Barjenbruch. Es gebe seit dem Jahr 2012 die zentrale Telefonnummer 116117 für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, die die Patienten außerhalb der regulären Sprechzeiten anrufen können. Die Anrufer werden an den zuständigen Bereitschaftsdienst weitergeleitet.

Barjenbruch wies darauf hin, dass es sich Patienten mitunter auch einfach machten und direkt in die Notfallambulanz der Krankenhäuser gingen. Die Krankenhäuser klagten an dieser Stelle zu Recht darüber, dass sie für dieses erhöhte Aufkommen gar nicht gerüstet seien. Die Politik sollte daher darüber nachdenken, ob nicht weitere Steuerungselemente nötig seien, sagte Barjenbruch. „Ohne Einbeziehung des Patienten werden wir oder die Krankenhäuser keine vernünftige Lösung hinbekommen.“

Barjenbruch weiter: „Gemeinsam mit den Krankenhäusern müssen wir darüber sprechen, die Patienten an die richtigen Stellen zu leiten. Die Patienten müssen wissen, ob sie in die Notfallambulanz eines Krankenhauses oder zum kassenärztlichen Bereitschaftsarzt gehen sollten oder ob es ausreicht, dass sie in den nächsten Stunden oder am nächsten Tag ihren Haus- oder Facharzt aufsuchen.“

Rund eine Million Patienten werden in Niedersachsen jährlich außerhalb der Praxisöffnungszeiten im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst behandelt. Etwa zwei Millionen suchen die Notfallambulanzen der Krankenhäuser auf. Die eine Hälfte davon wird stationär aufgenommen, die andere Hälfte ambulant versorgt.


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