Neue Honorarregelungen im ärztlichen Notfall- und Bereitschaftsdienst

Schweregradzuschläge für aufwendige Behandlungen/Neue Abklärungspauschale

Der Bereitschaftsdienst von niedergelassenen Ärzten und die Notfallambulanz von Krankenhäusern werden ab April 2017 für besonders schwere und aufwändige Fälle eine höhere Vergütung erhalten. Außerdem wird es eine Abklärungspauschale für Patienten geben, die keine dringende Behandlung benötigen. Dies soll die Notfallambulanzen im Krankenhaus entlasten. Dies gab heute in Hannover die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) bekannt.

Hintergrund für die Neuerungen ist eine Vorgabe des Gesetzgebers im Krankenhausstrukturgesetz, die Regelungen für ambulante ärztliche Notfallleistungen in der Gebührenordnung nach dem Schweregrad der Fälle zu differenzieren.

Die getroffene Regelung sieht zwei verschiedene sogenannte Schweregradzuschläge vor. Der eine Schweregradzuschlag ist an fest definierte schwerwiegende Behandlungsdiagnosen geknüpft, zum Beispiel eine Lungenentzündung oder tiefe Beinvenenthrombose. Der zweite Schweregradzuschlag berücksichtigt den erhöhten Aufwand, der aufgrund einer schwierigen Kommunikation infolge bestimmter Grunderkrankungen oder infolge des Alters bei Säuglingen und Kleinkindern besteht.

„Damit können sowohl im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst als auch in den Notaufnahmen der Krankenhäuser die Fälle, die aufgrund der Erkrankung mehr Zeit und personalintensive Behandlung erfordern, besser vergütet werden“, sagte der KVN-Vorstandsvorsitzende, Mark Barjenbruch. Die neuen Honorarregelungen würden die Patienten in der Versorgung nicht spüren.

Eine Entlastung der Notfallambulanzen in Kliniken erhofft sich Barjenbruch von der neuen Abklärungspauschale. „Die Ärzte werden dadurch hoffentlich mehr Zeit für ‚echte‘ Notfälle bekommen, sagte er. Die neue Pauschale können Ärzte für Patienten abrechnen, die keine dringliche Notfallbehandlung brauchen und durch einen Kassenarzt zu einem späteren Zeitpunkt in der normalen Praxis-Sprechstunde versorgt werden können.

Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die Finanzierung der Zuschläge sowie der Abklärungspauschale mit Geldern, die für die Vergütung ambulanter Notfallleistungen bereitstehen, erfolgt. Mit anderen Worten: „Das Geld kommt aus dem Honorar der niedergelassenen Kassenärzte“, so Barjenbruch.

Der KVN-Vorstandsvorsitzende sieht allerdings ein grundsätzliches Problem: „Die KVN steht zu ihrer Verpflichtung, die ambulante ärztliche Versorgung auch im Bereitschaftsdienst zu sichern. Allerdings wird diese Aufgabe durch eine Fehlinanspruchnahme der Versicherten sowohl im Bereitschaftsdienst als auch in den Krankenhaus-Notfallambulanzen zunehmend erschwert. Es fehlt an einer echten Patientensteuerung durch den Gesetzgeber.“

Die zentrale Telefonnummer sieht Barjenbruch in der Bereitschaftsdienstnummer 116117 der niedergelassenen Ärzte am Abend, an Wochenenden und Feiertagen. „Die 116117 ist für den Bereitschaftsdienst außerhalb der Praxisöffnungszeiten und die 112 für den Notfall etwa bei schweren Unfällen, bei Verdacht auf Hirnschlag oder Herzinfarkt, da. Die Patienten sind gut beraten, sich bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der regulären Öffnungszeiten der Arztpraxis an den Bereitschaftsdienst der KVN zu wenden. Dort betreuen sie erfahrene Ärztinnen und Ärzte“, erläuterte der KVN-Chef.


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