Immer mehr Patienten werden ambulant in Praxen behandelt

Anstieg der Behandlungsfälle im Jahr 2016 um 1,6 Prozent

Im Jahr 2016 sind in Niedersachsen 56,5 Millionen Behandlungsfälle in Praxen von Kassenärzten und Kassenpsychotherapeuten versorgt worden. Das waren 1,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Diese Zahlen hat die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) heute in Hannover veröffentlicht.

Die KVN weist darauf hin, dass ein Fall sämtliche Behandlungen eines Patienten innerhalb eines Quartals umfasst: „So werden beispielsweise die Krankschreibung und Behandlung eines Patienten wegen Grippe im Januar sowie mehrmalige Praxisbesuche beim selben Arzt zur Blutdruckeinstellung im März im Rahmen desselben Behandlungsfalls abgerechnet und gezählt“, sagte Mark Barjenbruch, KVN-Vorstandsvorsitzender. „Die steigende Fallzahl macht deutlich, dass die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten die wachsenden Morbiditätslasten in unserer Gesellschaft zu tragen haben“, so Barjenbruch.

Die Zahl der zugelassenen Ärzte und Psychotherapeuten hat in Niedersachsen 2016 nur um 0,47 Prozent zugenommen. „Die Zahl der Ärzte steigt, aber der Bedarf steigt schneller und ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht.“ So fasst der KVN-Chef die Ergebnisse der Ärztestatistik für das Jahr 2016 zusammen. Verantwortlich dafür sei vor allem der zunehmende Behandlungsbedarf einer alternden Gesellschaft.

Die steigenden Patientenzahlen hätten zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die medizinische Versorgung der Bürger im Land. „Deutschland verfügt über eine auch im internationalen Vergleich hochwertige flächendeckende Gesundheitsversorgung. Um diese zu erhalten, muss es gelingen, den demografischen Wandel mit einem Strukturwandel in der medizinischen Versorgung zu begleiten“, fordert der stellvertretende KVN-Vorstandsvorsitzende, Dr. Jörg Berling.

Dazu gehört aus Sicht Berlings, dass die ambulanten und stationären Strukturen dem sich ändernden Bedarf an medizinscher Versorgung angepasst werden, die ambulante Notfallversorgung weiterentwickelt und die bestehende Bedarfsplanung überprüft wird.

„Die Budgetierung der kassenärztlichen Vergütung muss beendet werden, um dem wachsenden ambulanten Behandlungsbedarf angemessen Rechnung zu tragen“, so seine Forderung. Dies erfordere gleichzeitig eine bessere Koordinierung der Patienten bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Zudem müsse die Attraktivität aller Gesundheitsberufe erhöht und weiterentwickelt sowie das Zusammenwirken von Kassenärzten und Kassenpsychotherapeuten mit den nichtärztlichen Gesundheitsberufen optimiert werden.


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