Begrenzte Leistung bei begrenzter Vergütung

Beiträge der Versicherten in die Behandlung investieren

Kritik an den Finanzreserven der Gesetzlichen Krankenkassen hat der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) geäußert. „Die gesetzlichen Krankenkassen haben bis Ende September 2016 einen Überschuss von rund 1,5 Milliarden Millionen Euro ausgewiesen. Die Finanzreserven der Krankenkassen lagen zur Mitte des Jahres bei rund 16 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Unter diesen Prämissen ist eine Budgetbegrenzung für medizinische Leistungen in der ambulanten Versorgung der gesetzlich krankenversicherten Bürger nicht angezeigt. Deshalb fordern wir eine kostendeckende Vergütung aller Behandlungen“, sagte KVN-Vorstandsvorsitzender Mark Barjenbruch heute in Hannover.

„Die Überschüsse sind nicht Eigentum der Krankenkassen, sondern dienen der gesundheitlichen Fürsorge der Bürger. Daher fordert die KVN von den Krankenkassen, die finanzielle Blockade im deutschen Gesundheitssystem zu lösen und den Versicherten ihre Beiträge in Form medizinischer Leistungen zurückzugeben“, ergänzte der Stellvertretende KVN-Vorsitzende, Dr. Jörg Berling.

Einem prinzipiell unendlichen Leistungsanspruch könnten die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten auf Grundlage begrenzter Budgets nicht länger gerecht werden. „Deshalb fordern wir von den Krankenkassen zukünftig die bedarfsgerechte und kostendeckende Vergütung jeder einzelnen Behandlung“, so der KVN-Vorstand.

Die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt stellten die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten vor wachsende Herausforderungen. „Nach Ausschöpfung des begrenzten Budgets arbeiten viele Ärzte und Psychotherapeuten unentgeltlich weiter. Seit dem Jahr 2014 bis heute haben niedersächsische Ärzte und Psychotherapeuten über 13 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet. Wer jedoch auf das Engagement der Ärzteschaft vertraut, ohne genügend Mittel zur Verfügung zu stellen, unterhöhlt die Grundlage unseres Gesundheitssystems“, so Barjenbruch.

„Daher werden wir in Zukunft genau in die jeweiligen Fachgruppen schauen: Welche Leistungen müssen die Ärzte überhaupt anbieten? Können sie bestimmte Leistungen aus dem Angebot nehmen? Solange es weiterhin eine begrenzte Vergütung gibt, werden die Ärzte und Psychotherapeuten künftig auch nur eine begrenzte Leistung anbieten können“, sagte der KVN-Vorstandsvorsitzende.


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