Frust wegen Chronikerziffern

Korrekturanträge durch die Krankenkassen bei Hausärzten stoßen auf Kritik

In den vergangenen Tagen ist das Anhörungsschreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) zu den Berichtigungsanträgen der DAK und der AOK Niedersachsen zur Chronikerziffer an mehr als 3.000 Hausärzte herausgegangen. Der Frust und der Ärger des Einzelnen sind sehr nachvollziehbar, insbesondere mit Blick auf die kaum beherrschbare Leistungslegende der Chronikerziffern. 

Zunächst einmal muss man sich schon die Frage stellen, warum die Kassen überhaupt Korrekturanträge stellen. Denn letztlich fallen die Chronikziffern in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung und dementsprechend fließt kein Geld an die Kassen zurück. Den Kassen geht es um die Umverteilung des Behandlungsbedarfs innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) zwischen den Kassen. Eine Kasse, die weniger Chroniker hat, kann einen niedrigeren Behandlungsbedarf geltend machen mit entsprechend niedrigerem Anteil der jeweiligen Kasse an der MGV. Zudem scheint das Bundesversicherungsamt die Kassen zu entsprechenden Prüfverfahren aufzufordern.

Hinzu kommen neue Urteile des Bundessozialgerichts aus dem März 2016, die mit ihrer Begründung im August 2016 bekannt geworden sind. Danach wird den Krankenkassen eine originäre Prüfpflicht für bestimmte Sachverhalte - und da u. a. das Bestehen und der Umfang der Leistungspflicht - zuerkannt. Hier sind die Kassenärztlichen Vereinigungen und damit auch die KVN verpflichtet, die Prüfergebnisse der Krankenkassen von Amts wegen umzusetzen. Und nicht nur, dass wir maximal darauf beschränkt sind, vorhandene Voraussetzungen vorab zu überprüfen, ist an die Stelle unserer bisherigen in der Prüfvereinbarung vereinbarten Ausschlussfrist von vier Quartalen eine vierjährige Ausschlussfrist getreten. So hat die DAK Prüfanträge bereits ab dem Jahr 2012 gestellt. Durch zwischenzeitliche Verhandlungen und Gespräche konnte allerdings erreicht werden, dass gegenüber den Vertragsärzten Anträge erst ab 2013 geltend gemacht werden können. Zudem konnten durch formale Überprüfungen der Anträge der Kassen sowohl bei der DAK als auch bei der AOK Niedersachsen deutliche Verringerungen der Beträge erreicht werden. Nichtsdestotrotz ist jede einzelne Rückforderung noch belastend genug.

Was aber passiert mit einer Rückzahlung? Die Rückzahlung des Arztes an die KVN wird in die sogenannten Vergütungsdifferenzen im Hausarzttopf aufgenommen und anschließend in der Honorarabrechnung des nächsten erreichbaren Quartals berücksichtigt. Die zurückgezahlte Vergütung von Hausärzten fließt den Hausärzten wieder zu und geht nicht an die Krankenkassen zurück.

Mit Blick auf die Prüfanträge der Krankenkassen haben wir nun noch einmal Kontakt zur Bundesebene aufgenommen. Ziel ist es, einen erneuten Versuch zu starten, die Leistungslegende der Chronikerziffer so umzugestalten, dass die nicht überschaubaren, quartalsübergreifenden Anforderungen entfallen. Daneben werden wir gemeinsam mit den Hausarztverbänden auf die Krankenkassen zugehen und versuchen, zumindest für die Zukunft, weitere Anträge zu verhindern.


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