Neuer Versorgungsvertrag soll Behandlung von Rheumapatienten in Niedersachsen optimieren

Zur Verbesserung der Versorgung der an entzündlich rheumatischen Erkrankungen leidenden Menschen haben die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen und die AOK Niedersachsen zum 1. Juli 2017 einen neuen Versorgungsvertrag unterzeichnet. Er soll durch eine auf den individuellen Krankheitsverlauf abgestimmte, qualitätsgesicherte und leitliniengerechte Arzneimitteltherapie die Lebensqualität der Patienten erhöhen, unter Berücksichtigung eines wirtschaftlichen Einsatzes der pharmakologischen Ressourcen.

Dazu wollen die Vertragspartner vor allem der rheumatologischen Basistherapie in der Behandlung mehr Gewicht verschaffen. Zu den sogenannten Basismedikamenten gehören vor allem Immunsuppressiva. Sie sollen ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern, indem sie langfristig gegen die Entzündung und Zerstörung der Gelenke wirken. Sie haben sich seit Langem als zuverlässig wirksam erwiesen und haben ein sehr gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis.

Zu den neueren Therapieoptionen zählen auch gentechnisch hergestellte Substanzen, sogenannte Biologika, welche direkt zum Beispiel als Antikörper gegen Entzündungsstoffe in das Immunsystem eingreifen. Da Biologika einen weitaus höheren Preis haben als andere Medikamente, sollten sie entsprechend der Behandlungsleitlinien nur dann zum Einsatz kommen, wenn andere Wirkstoffgruppen - einschließlich einer Kombinationsbehandlung mit Basistherapeutika - nicht zum Erfolg geführt haben.

„Der neue Vertrag soll Anreize für die schonendere und dabei kostengünstigere Therapievariante geben“, so der KVN-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch. „Der Einsatz medikamentöser Innovationen geht unter Umständen über den Bedarf des Patienten hinaus und setzt die Praxen einem unnötigen wirtschaftlichen Risiko aus. Hier wollen wir gegensteuern.“ Der Vertrag sieht eine Überprüfung der bestehenden Medikation bei Rheumatikern durch den teilnehmenden Arzt und die Ausschöpfung der Behandlungsmöglichkeiten mit Basismedikamenten vor. Für den damit verbundenen erhöhten Diagnose- und Kontrollaufwand bietet der Vertrag gesonderte Vergütungen.

„Eine Behandlung mit den hochpreisigen Biologika und Biosimilars kann - bei entsprechend schweren Verläufen - durchaus eine sinnvolle und wirtschaftliche Alternative darstellen“, urteilt Dr. Ulrich von Hinüber, stellv. Vorsitzende des Berufsverbandes Dt. Rheumatologen, LV Niedersachsen. „Wir wissen aber auch, dass durch eine engmaschige Betreuung und ein Ausreizen der klassischen Basistherapien - beispielsweise durch die Kombinationsbehandlung - in vielen Fällen ein Einsatz von Biologika vermieden werden kann. Der für eine derartige Behandlung benötigte zeitliche Aufwand, der spezielle Sachverstand und die Erfahrung der internistischen Rheumatologen und des Fachpersonals sollen nun besonders gefördert werden.“

Die AOK Niedersachsen erwartet neben den Therapievorteilen für die Patienten auch eine Reduzierung der Arzneimittelausgaben durch eine noch besser patientenindividuell angepasste Therapie. „Wir wollen die Behandlungsqualität verbessern, indem wir den Ärzten für die intensivere Betreuung der Patienten eine zusätzliche Vergütung zahlen. Biologika und Biosimilars sind wichtige Therapiebestandteile, sollten aber leitliniengerecht und nicht nach dem Gießkannenprinzip eingesetzt werden“, erläutert Frank Preugschat, Bereichsleiter Versorgung bei der AOK Niedersachsen.

Teilnahme- und abrechnungsberechtigt sind Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie bzw. fachärztliche Internisten mit der Schwerpunktbezeichnung Rheumatologie mit Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung nach § 95 SGB V durch die KVN (auch Gemeinschaften dieser Ärzte, angestellte Ärzte und ermächtigte Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie, soweit der Ermächtigungsumfang eine vollständige Aufgabenerfüllung nach diesem Vertrag ermöglicht). Der Vertrag tritt am 1. Juli 2017 in Kraft.


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