"Die Versorgung der Patienten wird sich verschlechtern"

KVN übt scharfe Kritik am Referentenentwurf für das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG)

Die KVN-Kreisstellensprecher haben in Verden den Referentenentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn für ein Terminservice- und Versorgungsgesetz scharf kritisiert und das Gesetz einstimmig abgelehnt: „Die angekündigten Maßnahmen sind reiner Etikettenschwindel und werden nicht zu einer Verbesserung führen. Ganz im Gegenteil: Besonders chronisch Kranke, alte und gebrechliche Menschen müssen mit einer Verschlechterung ihrer ärztlichen Versorgung rechnen“, fasst der Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch die Stimmung während der Sitzung zusammen.

Patienten sollen zukünftig jeden Facharzt ihrer Wahl im Rahmen einer offenen Sprechstunde ohne Termin aufsuchen dürfen. Dies klingt für Patienten zunächst einmal verlockend. Für die Fachärzte macht es die tägliche Praxisführung aber unnötig kompliziert. „Fachärzte werden wegen aufwendiger Untersuchungstechniken aufgesucht. Diese bedürfen meist einer genaueren Planung und können nicht beliebig vorgehalten werden. In einer offenen Sprechstunde kann bestenfalls eine Vorbesprechung stattfinden“, erläutert der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Jörg Berling. Diese Zeit wird somit für die Versorgung sehr kranker Menschen unweigerlich verloren gehen.

Hausärzte sind von dem Entwurf ebenfalls besonders betroffen. Sie sollen zukünftig während des Praxisalltags für die Patienten persönlich Termine bei Fachärzten vermitteln; Für eine Vergütung von zwei Euro. Zudem sollen die Mindestsprechzeiten in der Woche auf 25 Sprechstunden angehoben werden. Niedersächsische Haus- und Fachärzte arbeiten bereits durchschnittlich 51 Stunden in der Woche. „Die Vorschläge drücken die Geringschätzung ärztlicher Arbeit seitens der Regierung aus. Ältere Kolleginnen und Kollegen, die in vielen Teilen Niedersachsens momentan die Versorgung sichern, werden sich überlegen, ob sie unter diesen Bedingungen weiterarbeiten“, befürchtet Dr. Berling.

Geeigneten Nachwuchs zu finden wird durch den Referentenentwurf noch schwieriger vermuten die Kreisstellenvorsitzenden: „Früher konnten die Ärztinnen und Ärzte ihren Praxisalltag noch eigenständig bestimmen. Jetzt kommen vom Bundesgesundheitsministerium immer mehr Vorgaben zur Sprechstundenzeit, zur offenen Sprechstunde oder Vorgaben wie Termine zu vereinbaren sind. Die zunehmenden planerischen Eingriffe untergraben unsere Bemühungen Nachwuchs in diesem freien Berufsstand zu finden.“


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