Erste Hilfe bei Ärztemangel auf dem Land

Medizinische Versorgung im ländlichen Raum: Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) fordern gemeinsam von der neuen Niedersächsischen Landesregierung mehr Medizin-Studienplätze, die Schaffung weiterer Anreize für eine Niederlassung in den ländlichen Gebieten Niedersachsens und die umgehende Einführung der Landarztquote.

Die Lösung der drängenden Problematik des Ärztemangels im ländlichen Raum gehört ganz nach vorn auf den Maßnahmenplan der neuen Niedersächsischen Landesregierung. Dies forderten der Präsident des NSGB, Dr. Marco Trips, und der Vorstandsvorsitzende der KVN, Mark Barjenbruch, heute bei der Veröffentlichung eines gemeinsamen Forderungspapiers.

Die Verbändechefs wiesen darauf hin, dass es immer schwieriger werde, ausreichend Nachwuchsmedizinerinnen und Nachwuchsmediziner für eine Tätigkeit als Hausärztin oder Hausarzt auf dem Land zu gewinnen. Daher sei ein ganzes Bündel an Maßnahmen erforderlich, um die Ärztinnen und Ärzte dort zu einer Niederlassung zu bewegen, wo sie am dringendsten benötigt würden.

„Niedersachsen befindet sich mit anderen Bundesländern im Wettbewerb um junge Ärztinnen und Ärzte. Das Land darf sich daher keinesfalls zurücklehnen, sondern muss selbst an seinen Universitäten die notwendigen Kapazitäten für die Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern schaffen. Kurzfristig sind deshalb 200 weitere Medizinstudienplätze einzurichten“, forderte Dr. Marco Trips. Mark Barjenbruch ergänzte: „Die aktuell rund 600 Plätze für Medizinstudentinnen und Medizinstudenten in Niedersachsen reichen nicht aus. Auch bei Ärztinnen und Ärzten wird der Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung zwecks Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker. Daher werden zukünftig mehr Personen dieselbe medizinische Versorgung leisten müssen. Am besten wird dies deutlich, wenn man sich zwei Halbtagsärztinnen anstelle eines bisherigen Vollzeitarztes vorstellt. Studien berechnen hier einen Personal-Mehrbedarf von 30 Prozent. Daher müssen entsprechend mehr Ärztinnen und Ärztinnen ausgebildet und die Zahl der Studienplätze um eben diese 30 Prozent aufgestockt werden.“

Die beiden Verbändevertreter forderten die neue Landesregierung des Weiteren dazu auf, flankierend zu bereits bestehenden Maßnahmen, insbesondere der Niederlassungsförderung der KVN, weitere Anreize für eine Niederlassung von Ärztinnen im ländlichen Raum zu schaffen und die entsprechenden Haushaltsmittel dafür zur Verfügung zu stellen. „Solche Förderprogramme sind als weitere Bausteine unverzichtbar, um Ärztinnen und Ärzte gezielt zu einer Niederlassung im ländlichen Raum zu bewegen“, erläuterten Dr. Marco Trips und Mark Barjenbruch.

Schließlich bestanden die Spitzen von NSGB und KVN auf die rasche Einführung der zwischen Bund und Ländern im sogenannten Masterplan Medizinstudium 2030 vereinbarten Landarztquote in Niedersachsen. Diese ermöglicht es den Bundesländern, bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an Bewerberinnen und Bewerber zu vergeben, die sich verpflichten, nach Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für bis zu zehn Jahre in der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen tätig zu sein. „Eine Landarztquote macht aber nur Sinn, wenn zusätzliche Studienplätze eingerichtet werden.“, so Barjenbruch und Dr. Trips.

Das gemeinsame Forderungspapier des NSGB und der KVN ist dieser Pressemitteilung als Anlage beigefügt.


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