Wissenswertes zur Telematikinfrastruktur

Deutschlands größtes elektronisches Gesundheitsnetz entsteht: die Telematikinfrastruktur (TI) im Gesundheitswesen. Seit Ende 2017 werden alle Praxen in Deutschland an die TI angeschlossen. Was Sie als Vertragsarzt oder -psychotherapeut dazu wissen sollten, fassen wir auf den folgenden Seiten zusammen. Wir geben einen Überblick über die notwendige technische Ausstattung und die Finanzierung. Zudem geben wir Ihnen Tipps und Hinweise, wie Sie sich und Ihre Praxis auf den Einstieg in die TI vorbereiten können, und informieren Sie über den aktuellen Stand bei der Einrichtung der TI.

Ärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte, Krankenhäuser sowie andere Akteure des Gesundheitswesens sollen künftig schneller und einfacher miteinander auf digitalem Wege miteinander kommunizieren sowie medizinische Daten austauschen können. Das dafür notwendige digitale Kommunikationsnetz ist die Telematikinfrastruktur - ein gigantisches Projekt. Es soll die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen, die Wirtschaftlichkeit, Qualität und Transparenz in der Patientenversorgung verbessern und den sicheren Datenaustausch zwischen Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern, Apotheken und Krankenkassen ermöglichen. Im Grunde handelt es sich um eine geschützte Variante des Internets nur für Angehörige der Heilberufe.

Mit Anschluss an die Telematikinfrastruktur steht als erste Anwendung zunächst das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) zur Verfügung. Beim VSDM werden die auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) des Patienten gespeicherten Daten online abgeglichen und ggf. aktualisiert. Als weitere Anwendungen sind später u. a. vorgesehen: Das Notfalldatenmanagement (NFDM), der elektronische Medikationsplan (eMP), der elektronische Arztbrief und die Einführung einer digitalen elektronischen Patientenakte (ePA).

Verantwortlich für den Aufbau, Betrieb und die Weiterentwicklung der TI ist die „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte“, kurz gematik. Gesellschafter der gematik sind der GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Bundesärztekammer und die Bundeszahnärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Apothekerverband.

Für die erforderlichen Geräte und deren Anschluss an die TI erhalten die Praxen finanzielle Zuschüsse. Mit deren Freigabe und Auszahlung sind die Kassenärztlichen Vereinigungen beauftragt.

Die Anbindung an die Telematikinfrastruktur ist verpflichtend

Im E-Health-Gesetz steht es ganz konkret: Ab einem bestimmten Datum müssen alle Praxen an die TI angeschlossen sein und als erste Anwendung das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) durchführen können. Können sie das nicht, wird Vertragsärzten das Honorar um ein Prozent gekürzt (siehe § 291 Absatz 2b Satz 14 SGB V). Den im Gesetz genannten Termin - musste der Gesetzgeber jedoch immer wieder verschieben, weil es fortwährend zu Verzögerungen bei der Bereitstellung der notwendigen Technik gekommen war. Jetzt hat der Bundestag beschlossen: Die angedrohte Honorarkürzung wird bis zum 30. Juni 2019 für alle Praxisinhaber ausgesetzt, die noch nicht an die TI angeschlossen werden konnten - sofern sie bis zum 31. März 2019 zumindest die notwendigen Komponenten bestellt haben. Der Online-Abgleich der Versichertendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist für alle Praxen, die bereits an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sind, weiterhin ab 1. Januar 2019 Pflicht.

Praxen sollten TI-Rollout vorbereiten

Dem Anschluss der Praxen an die Telematikinfrastruktur steht technisch nichts mehr im Weg. Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik) hat im November 2017 die ersten Zulassungen für Konnektor, E-Health-Kartenterminal, VPN-Zugangsdienst und Praxisverwaltungssysteme zur Anbindung der Praxen an die Telematikinfrastruktur erteilt; weitere Anbieter haben im Laufe des Jahres 2018 ihre Zulassungen erhalten. Auch der Praxisausweis (SMC-B) hat durch die KBV die sogenannte Sektorzulassung für den ärztlichen Bereich erhalten. Praxen sollten jetzt anfangen zu überlegen, welche Komponenten sie benötigen und wann für sie der richtige Zeitpunkt für den TI-Anschluss ist. Erster Ansprechpartner für die Bestellung ist in der Regel der Hersteller des Praxisverwaltungssystems oder der IT-Servicepartner.

Ärzte und Psychotherapeuten, die bereits IT-Komponenten bestellen könnten, sollten das jetzt tun. Sie sollten aber darauf achten, dass die Preise durch die Erstattungspauschale gedeckt seien.

KBV hat Broschüre zum TI-Rollout erstellt

Um die Praxen bei der Anbindung an die Telematikinfrastruktur zu unterstützen, hat die KBV Wissenswertes dazu in einem Serviceheft zusammengefasst, das wir Ihnen auch hier zum Download bereitstellen. Die Broschüre bietet grundlegende Informationen zum Anschluss der Praxis an die TI, zur benötigten technischen Ausstattung und zur Finanzierung. Darüber hinaus informiert das Serviceheft zum Versichertenstammdatenmanagement sowie über die nächsten TI-Anwendungen. Ärzte und Psychotherapeuten finden in der Broschüre Tipps zur Umsetzung, kurze Checklisten und Hinweise auf weitere Informationen und Unterstützungsangebote.

Weitere Informationen zur Telematikinfrastruktur finden Sie auch auf den Internetseiten der KBV