03.01.2018

Wettbewerbsvorteile der Krankenhäuser abbauen

Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat die jüngsten Äußerungen der Vorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, auf das Schärfste zurückgewiesen. Pfeifer hatte gefordert, dass sich Ärzte endlich um die Versorgung kümmern sollten, statt sich darum zu streiten, wer mehr Geld bekommt. In diesem Zusammenhang hatte sie eine engere Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten gefordert.

Der KVN-Vorstandsvorsitzende, Mark Barjenbruch, machte die unterschiedlichen Rahmenbedingungen für Arztpraxen und Krankenhäusern mit dafür verantwortlich, dass es bei der Überleitung der Patienten vom einen in den anderen Sektor hakt. „Krankenhäuser haben keine Regelleistungsvolumen, keine echte Bedarfsplanung und keine Arzneimittelregresse“, betonte Barjenbruch.

„Die Interessen von Krankenhäusern und Vertragsärzten weichen in vielen Fällen voneinander ab“, stellte er fest. Er forderte, die Wettbewerbsvorteile der Krankenhäuser endlich abzubauen und an den Schnittstellen der Behandlung für Vergütung, Bedarfsplanung und Mengenbegrenzungen gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Außerdem müsse die Verlagerung von immer mehr Leistungen aus den Krankenhäusern in die Arztpraxen mit einer Verlagerung der entsprechenden Gelder einhergehen.

Barjenbruch kritisierte darüber hinaus, dass auch bei der Einführung von Innovationen mit zweierlei Maß gemessen werde. Während im stationären Bereich alles erlaubt sei, was der Gemeinsame Bundesausschuss nicht ausdrücklich untersagt habe, dürfe im ambulanten Bereich nur das erbracht werden, was ausdrücklich genehmigt sei. „Unsere alte Forderung nach gleichen Wettbewerbsvoraussetzungen ist bis heute noch nicht erfüllt worden“, klagte der KVN-Vorsitzende.

Barjenbruch hob hervor, dass bereits Einiges geschehen sei, um die strikte Sektorierung zu überwinden. Dazu gehörten beispielsweise die Kooperationen zwischen dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst und den Notfallaufnahmen der Krankenhäuser, die Möglichkeiten zum Abschluss von Integrationsverträgen sowie das neue Entlassmanagement. Allerdings könnten nur faire Wettbewerbsbedingungen verhindern, dass Kooperationen einen Verdrängungswettbewerb zulasten der niedergelassenen Ärzte auslösten. „Wir befinden uns auf dem richtigen Weg, die Zusammenarbeit zu verbessern, erklärte Barjenbruch.

Ein Weg liegt für Barjenbruch darin, klare Schnittstellen und leitliniengerechte Behandlungspfade zu schaffen. „Versorgung muss dort stattfinden, wo es medizinisch und ökonomisch am Sinnvollsten ist.“

„Aus Sicht der Patienten ist die ambulante Versorgung in Deutschland gut. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten leisten jeden Tag einen hervorragenden Job“, so Barjenbruch. Das haben über 6.000 Patienten - 480 davon in Niedersachsen - in einer repräsentativen Patientenbefragung 2017 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bestätigt. Wie auch in den Vorjahren haben 91 Prozent der Befragten das Vertrauensverhältnis zu ihren Ärzten mit „gut“ bis „sehr gut“ bewertet.