Rundschreiben

Praxisführung

Heilmittelbehandlung per Video

Mit der Änderung der Heilmittel-Richtlinie (aufgrund der Corona-Pandemie) hatte der Gemeinsame Bundesausschuss bereits im letzten Jahr die Voraussetzungen für telemedizinische Heilmittelbehandlungen geschaffen. Nun wurde festgelegt, welche der verordnungsfähigen Heilmittel für eine Behandlung per Video geeignet sind.

 

Die ersten Verträge wurden nunmehr für die Bereiche Physio- und Ernährungstherapie veröffentlicht und sind rückwirkend zum 1. April 2022 in Kraft getreten. In den Bereichen der Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie sowie der Ergotherapie wurden bisher keine Verträge abgeschlossen.

 

Die Entscheidung, ob eine Heilmittelbehandlung per Video stattfindet, trifft der Therapeut zusammen mit dem Patienten. Ein Wechsel zu einer persönlichen Behandlung ist jederzeit möglich. Ob die Behandlung per Video oder persönlich stattfindet, hat keinen Einfluss auf die Verordnung. Sollten allerdings medizinische Gründe gegen eine telemedizinische Versorgung sprechen, kann der Arzt die Videobehandlung auf dem Verordnungsvordruck (Formular 13) durch einen entsprechenden Hinweis (im Feld „ggf. Therapieziele / weitere med. Befunde und Hinweise“) ausschließen. Ergibt sich während der Therapie, dass dennoch eine Behandlung per Video geeignet ist, so ist dies möglich - allerdings erst nach Zustimmung des Patienten und nur nach ärztlicher Rücksprache.

 

Eine Video-Behandlung erfolgt in Echtzeit, aufgezeichnete Videofilme oder digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind keine Behandlung im Sinne der Heilmittel-Richtlinie. Wenn der Beratungsaspekt im Vordergrund steht, kann in Einzelfällen auch eine telefonische Behandlung stattfinden (z.B. Ernährungsberatung).

 

Die erste Behandlung im jeweiligen Verordnungsfall findet im persönlichen Kontakt statt, wie auch die regelmäßigen Verlaufskontrollen während der Heilmitteltherapie.

Maßgeblich ist außerdem immer das Therapieziel, wird dieses durch persönlichen Kontakt effizienter erreicht, ist die persönliche Behandlung vorzuziehen. Kann über eine Videobehandlung das Therapieziel nicht erreicht werden oder gibt es Übertragungsprobleme, muss die Behandlung im persönlichen Kontakt fortgesetzt werden.

 

Die telemedizinischen Leistungen sind auf einen bestimmten Anteil an verordneten Behandlungseinheiten je Verordnung begrenzt (siehe Tabelle):

Verordnungsfähiges Heilmittel Anteil an verordneten Behandlungseinheiten
Allgemeine Krankengymnastik (KG) - Einzelbehandlung kann bis zur Hälfte der verordneten Behandlungseinheiten als telemedizinische Leistung erbracht werden
Allgemeine Krankengymnastik (KG) - Gruppenbehandlung kann bis zur Hälfte der verordneten Behandlungseinheiten als telemedizinische Leistung erbracht werden
Krankengymnastik zur Behandlung schwerer Erkrankungen der Atmungsorgane (KG Muko) kann bis zur Hälfte der verordneten Behandlungseinheiten als telemedizinische Leistung erbracht werden
KG-ZNS-Kinder nach Bobath von den verordneten Behandlungseinheiten können bis zu 3 Behandlungseinheiten als telemedizinische Leistung erbracht werden, dies gilt insbesondere für die Anleitung der Bezugspersonen
KG-ZNS-Erwachsene nach Bobath von den verordneten Behandlungseinheiten können bis zu 3 Behandlungseinheiten als telemedizinische Leistung erbracht werden, dies gilt insbesondere für die Anleitung der Bezugspersonen
Manuelle Therapie von den verordneten Behandlungseinheiten kann bis zu 1 Behandlungseinheit als telemedizinische Leistung erbracht werden