Pressemitteilung

Boom der Videosprechstunde - Video-Chat statt Wartezimmer

Sicherstellungsauftrag

Videosprechstunden haben sich im zweiten Quartal 2020 versechsfacht

 

 

In der Coronakrise werden immer mehr Videosprechstunden von Ärzten und Psychotherapeuten in Niedersachsen durchgeführt. Nach der Auswertung der Abrechnungsergebnisse des 2. Quartals 2020 durch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) haben von April bis Ende Juni 2.134 Ärzte und Psychotherapeuten insgesamt 87.531 Videosprechstunden durchgeführt. Im Vorquartal waren es 2.111 Ärzte und Psychotherapeuten mit insgesamt 13.804 Videosprechstunden. Es ist zu einer Versechsfachung der Kontakte gekommen.

 

„Die Anzahl der Praxen, die die Videosprechstunde durchführen, steigt seit Anfang der Coronapandemie kontinuierlich. Die Einsteiger erhöhen seit Jahresbeginn ihre Frequenz“, sagte Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der KVN, heute in Hannover. Dabei stellt sich die Entwicklung in den Fachbereichen unterschiedlich dar. Spitzenreiter sind Psychologische Psychotherapeuten (40.000 Videosprechstunden), gefolgt von Hausärzten (17.000 Videosprechstunden) sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (10.000 Videosprechstunden). Diese Tendenz hatte sich bereits im 1. Quartal 2020 abgezeichnet.

 

„Ärzte und Psychotherapeuten sind für neue technische Möglichkeiten aufgeschlossen. Die Technik für die Ferndiagnose ist weit vorangeschritten, viele Mitglieder berichten von positiven Erfahrungen. Allerdings kann die Videosprechstunde das klassische Arzt-Patientengespräch im Sprechzimmer der Praxis nicht ersetzen“, so Barjenbruch. Viele Patienten haben oft nur eine leichte Erkältung, machen sich aber Sorgen, ob es sich womöglich um eine Coronainfektion handelt. Ins Wartezimmer wollen sie sich lieber nicht setzen. Schließlich könnten sie dort andere oder sich selber infizieren. Sie nutzen die Videosprechstunde.

 

Technisch ist die Sache ausgesprochen einfach. Der Patient erhält von seiner Praxis einen genauen Termin mit einem Zifferncode und Einwahllink. Der führt in ein virtuelles Wartezimmer, ist der Arzt online, ertönt ein akustischer Hinweis und sein Gesicht erscheint auf dem Bildschirm des Patienten. Das funktioniert am PC, am Laptop oder auch per App auf dem Smartphone.

 

Damit der Datenschutz gewahrt bleibt, bauen die Anbieter der Videosprechstunde eine verschlüsselte Direktverbindung zwischen Arzt und Patient auf. Werbeeinblendungen sind verboten und die Patienten müssen sich auch nicht mit persönlichen Daten registrieren.

 

„Das größte Problem ist und bleibt die Netzabdeckung in Niedersachsen. Es gibt immer noch weiße Flecken auf der Landkarte. Hier funktioniert die Videosprechstunde nicht oder nur unzureichend“, kritisierte der KVN-Vorsitzende.

 

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und Krankenkassen haben sich während der Coronakrise auch auf eine erleichterte administrative Abwicklung verständigt. Die Videosprechstunde ist jetzt unbegrenzt abrechenbar. Anfang des Jahres waren die Patientenzahl und die Menge der Videosprechstunden pro Praxis noch begrenzt.