Grippeimpfungen sind und bleiben originär ärztliche Aufgabe​

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Grippeimpfungen sind und bleiben originär ärztliche Aufgabe​

Es geht um die Sicherheit von Patientinnen und Patienten

 

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) und die impfenden ärztlichen Fachgruppen in Niedersachsen haben sich vehement gegen Grippeschutzimpfungen in Apotheken ausgesprochen. „Impfungen sind und bleiben originär ärztliche Aufgabe“, hieß es auf einer Sitzung der Verbände und der KVN in Hannover.

 

„Die Durchführung von Impfungen ist eine ganz zentrale ärztliche Leistung. Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen impfen seit Jahren mit hoher Kompetenz. Das beweisen sie Jahr für Jahr beispielsweise in der Influenzasaison und nicht erst seit der Corona-Pandemie. Wir brauchen keine zusätzlichen Impfkapazitäten in Apotheken“, sagte Dr. Jörg Berling, der stellvertretende KVN-Vorstandsvorsitzende. „In der vergangenen Grippesaison haben die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte rund 1,5 Millionen Grippeimpfungen durchgeführt. Seit Beginn der Corona-Impfkampagne sind in Niedersachsen allein fast 9,7 Millionen Impfungen gegen COVID-19 in Arztpraxen vorgenommen worden. Das zeigt deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger vor allem der ärztlichen Kompetenz vertrauen.“

 

„Das Impfen in Apotheken ist die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat“, kritisierte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Niedersachsen, Dr. Matthias Berndt. „Alle bisherigen Versuche, das Impfen in Apotheken zu etablieren, haben nicht funktioniert. Trotzdem versuchen Apothekerverbände und Politik immer wieder, mittels starker Lobbyarbeit Impfangebote in Apotheken zu etablieren. Die Zersplitterung von Verantwortung wird zu einer schlechteren Versorgung der Menschen in Niedersachsen führen.“

 

Der Vorsitzende des Berufsverbandes der Internisten in Niedersachsen, Dr. Thomas Schmidt, machte darauf aufmerksam, dass das Impfen ja nicht nur einen Piks in den Arm beinhaltet. „Die Grippeimpfung umfasst die Impfanamnese, die Aufklärung zur Impfung, den Ausschluss von akuten Erkrankungen und Kontraindikationen sowie bei bestehenden Erkrankungen die Bewertung, ob eine Impfung durchgeführt werden kann. All dies setzt eine entsprechende ärztliche Aus- und Weiterbildung voraus, über die Apothekerinnen und Apotheker nicht verfügen.“

 

„Es geht immer auch um Indikation und Kontraindikation und somit um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten“, betonte Dr. Christian Albring, Vorsitzender des Berufsverbandes der Gynäkologen in Niedersachsen. „Deshalb macht es keinen Sinn, Grippeschutzimpfungen regelhaft auch durch Apothekerinnen und Apotheker anzubieten.“

 

Dr. Henning Geldmacher, Vorsitzender des Berufsverbandes der Pneumologen in Niedersachsen, sagte: „Wir brauchen die Apotheken nicht für das Impfen. Dafür gibt es weder medizinische noch sachliche Gründe. Grippeimpfungen in Apotheken sind Unsinn. Apothekern mangelt es an der medizinischen Qualifikation.“

 

Auch der niedersächsische Berufsverband der Nephrologen hält die Beteiligung von Apotheken für falsch. Ihr Vorsitzender, Dr. Wanja Bernhardt, verdeutlichte: „In Deutschland gibt es seit Jahrzehnten eine klare Arbeitsteilung zwischen Arztpraxen und Apotheken, und das sollte auch so bleiben. Vor allem um die Impfsicherheit für die Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.“

 

Für Unverständnis sorgte darüber hinaus auch das Impfhonorar für die Apotheken. Apotheker sollen für Grippeschutzimpfungen insgesamt elf Euro erhalten. KVN-Vize Dr. Berling: „Das ist mehr als die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen bekommen, die ihre Patienten intensiv beraten und im seltenen Fall von Impfreaktionen in der Lage sind, sofort zu helfen.