Pressemitteilung

Kassenärzte arbeiten am Limit und oftmals darüber hinaus

KVN kritisiert Forderung der Krankenkassen nach flexibleren Öffnungszeiten

 

"Die Forderungen des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung nach längeren Öffnungszeiten von Arztpraxen sind ein Schlag ins Gesicht der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und zeugen von der Ferne von Krankenkassen-Funktionären zu Fragen der Versorgung von Patienten", sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch.

 

"Niedersächsische Ärztinnen und Ärzte arbeiten im Schnitt 52 Wochenstunden. Sie arbeiten am Limit und oftmals darüber hinaus", nahm Barjenbruch die Kassenärzte in Schutz. "Statt populistischer Aussagen von Krankenkassenvertretern brauchen wir praxistaugliche Reformen. Wer Versorgungsengpässe vermeiden will, sollte sich für mehr ärztlichen Nachwuchs und attraktive Arbeitsbedingungen einsetzen."

 

Barjenbruch kritisierte die Erwartung der Kassen, durch Honorarsteigerungen gleichzeitig mehr Arbeitszeit einzukaufen. "Selbst Arbeitgebervertretungen kommen in ihren Verhandlungen mit den Gewerkschaften nicht auf diese Idee. Der GKV-Spitzenverband verschweigt außerdem, dass durch die Honorar-Budgetierung den Ärzten fast 20 Prozent der erbrachten Leistungen nicht bezahlt werden. Bei budgetierten Honoraren jetzt noch eine Serviceangebotserweiterung zu fordern ist dreist. Bevor man über mehr Arbeit spricht, sollte fairerweise erst einmal die geleistete komplett bezahlt werden", so Barjenbruch.

 

Durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) erhielten Ärztinnen und Ärzte zwar mehr Geld für schnellere Terminvereinbarungen, aber es schaffe absehbar nicht mehr Termine. "Schlimmstenfalls bringt es das Geld auch nicht, weil die Ärzte gar nicht so viel mehr leisten können", sagte der Vorstandsvorsitzende.

 

"Wenn Ärzte am Mittwoch und Freitag keine Sprechstunde in ihrer Praxis anbieten, verschwinden sie übrigens nicht in ihre Freizeit. Vielmehr besprechen sie Befunde mit ihren Kollegen, schreiben Arztbriefe und sitzen an der vorgeschriebenen Dokumentation. Ärztinnen und Ärzte in dieser Hinsicht zu entlasten, wäre eine lohnende Aufgabe für Kassen - und käme auch den Patienten zugute, weil den Medizinern dann mehr Zeit für sie bliebe", so Barjenbruch.

 

In Deutschland gehöre die flächendeckende medizinische Betreuung zwar zur Daseinsvorsorge. In dieser Form sei dies europaweit einmalig. "Das ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Anspruch auf Arztpraxen mit 24-Stunden-Service", sagte der KVN-Chef.