Pressemitteilung

Krankenkassen verweigern Hygienezuschläge für Arztpraxen

KV Niedersachsen: „Hygienemaßnahmen sind das A und O in den Praxen“

 

Die Verhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen zur Erstattung der stark gestiegenen Hygienekosten in Arztpraxen sind gescheitert. Der GKV-Spitzenverband lehnt es ab, Geld für notwendige zusätzliche Hygienemaßnahmen bereitzustellen.

 

„Wir können es nicht nachvollziehen, dass der GKV-Spitzenverband so wenig Interesse an den Schutzmaßnahmen der Ärztinnen und Ärzte für ihre Patientinnen und Patienten zeigt“, sagte Dr. Jörg Berling, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), heute in Hannover.

 

In den rund 14.700 ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen in Niedersachsen würden 90 Prozent der COVID infizierten Menschen ambulant versorgt. Studien zeigten, dass das medizinische Personal die am zweithäufigsten berufsbedingt an COVID erkrankte Berufsgruppe sei. „Hygiene ist das A und O in jeder Praxis, um die Pandemie zu bekämpfen. Es macht mich sprachlos, dass die Krankenkassen ihre Unterstützung für den Hygieneaufwand verweigern“, so Berling.

 

Berling erwartet jetzt eine sachgerechte Entscheidung des so genannten Erweiterten Bewertungsausschusses, der nach dem Scheitern der Verhandlungen im Bewertungsausschuss eingeschaltet wurde.

 

Die KBV und die kassenärztlichen Vereinigungen fordern seit Jahren eine kostendeckende Finanzierung der Hygienemaßnahmen in Arztpraxen. Hintergrund ist, dass durch eine Vielzahl neuer Gesetze, Vorschriften und Richtlinien die Anforderungen und damit auch die Ausgaben und Zeitaufwände für Hygiene enorm gestiegen sind. Nach einer Erhebung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) mussten die Praxen im Jahr 2018 durchschnittlich 24.287 Euro für Hygienekosten aufwenden.

 

„Die Ärzte mit den Kosten im Regen stehen zu lassen ist nicht akzeptabel. Besonders zu Buche schlagen die neuen Anforderungen zur Aufbereitung von Medizinprodukten sowie der Mehrbedarf an Verbrauchs- und Hygienematerialien. Mehrausgaben verursachen unter anderem auch die neuen Qualifikations- und Schulungsanforderungen an das Praxispersonal in Fragen der Infektionshygiene. Zur Kompensierung der hohen Hygienekosten fordert die KVN die Aufnahme von Hygienezuschlägen in die Gebührenordnung“, erläuterte der KVN-Vize.