Pressemitteilung

Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten gegen Langzeitrezepte und Impfungen durch Apotheker

Delegierte der KVN-Vertreterversammlung befürchten Qualitätsverluste bei der Arzneimittelversorgung durch Lieferengpässe der Pharmaindustrie

 

Die Delegierten der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) haben auf ihrer heutigen Herbstsitzung in Hannover zahlreiche Details aus den gesetzgeberischen Plänen von Gesundheitsminister Jens Spahn diskutiert und abgelehnt.

 

Langzeitrezepte

 

So lehnen die Vertreter der rund 14.600 Kassenärzte und Kassenpsychotherapeuten die Ausstellung von Rezepten zur wiederholten Abgabe von Medikamenten aus Gründen der Patienten- und Arzneimitteltherapiesicherheit strikt ab. "Gerade die Versorgung von Versicherten mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen muss regelmäßig überwacht und gegebenenfalls angepasst werden. Rezepte zur wiederholten Abgabe können dazu führen, dass Versicherte die Risiken falsch einschätzten, ihren Arzt nicht erneut aufsuchen und damit nicht mehr adäquate, gegebenenfalls sogar die Sicherheit gefährdende Arzneimitteltherapien fortführten", heißt es wörtlich in der Resolution. Durch die wiederholte Abgabe dürfe auch in keinem Fall ein, für den Arzt nicht vorhersehbares und nicht vertretbares Regressrisiko entstehen.

 

Gegen Impfungen durch Apotheker

 

Die KVN-Vertreterversammlung hat sich gegen Pläne ausgesprochen, dass Apotheker in Zukunft impfen dürfen. "Impfungen sind komplexe ärztliche Aufgabe, die nicht im Rahmen einer einfachen einmaligen Schulung erlernt werden können. Um Patienten nicht zu gefährden, sind eine Impfberatung und eine medizinisch ärztliche Anamnese vor der Impfung unbedingt notwendig, gegebenenfalls auch eine körperliche Untersuchung und eine ausführliche Kenntnis der Vorgeschichte des Patienten", so die Delegierten.


Die Möglichkeit einer ärztlichen Überwachung oder einer ärztlichen Intervention bei seltenen Impfkomplikationen - z.B. allergische Reaktionen - müsse sichergestellt sein.
Insbesondere Kinder, chronisch Kranke und sehr alte Menschen sollten auch weiterhin nur durch Ärzte geimpft werden. Die Qualität der medizinischen Versorgung der Bevölkerung dürfe nicht ausgehöhlt werden.

 

Lieferengpässe bei Arzneimitteln abstellen


Sorge bereitet den Delegierten die zunehmenden Lieferengpässe bei Impfstoffen und Medikamenten. Sie gefährdeten die gute Qualität der Patientenversorgung in Niedersachsen und beeinträchtigten die Praxisablaufe in den Arztpraxen.


Deshalb forderte die Vertreterversammlung der KVN die Politik auf, entweder eine staatlich kontrollierte Arzneimittelreserve einzuführen oder die Pharmafirmen zu ausreichenden Reserven und Herstellungsmengen und zu ausreichenden Lagerungsmengen zu verpflichten.


Diese Regelungen sollten vorrangig bundesweit eingeführt werden. Bis zur Umsetzung einer bundesweiten Regelung sieht die Vertreterversammlung die niedersächsische Landesregierung in der Pflicht.