Rheuma – eine Krankheit mit 1.000 Gesichtern

Rheuma – eine Krankheit mit 1.000 Gesichtern

Welt-Rheumatag am 12. Oktober

 

In Niedersachsen sind rund 80.000 Patienten von Rheuma betroffen. Darauf hat heute in Hannover der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Dr. Jörg Berling, anlässlich des Welt-Rheumatages am 12. Oktober hingewiesen.

 

„Rheuma ist eine Erkrankung mit vielen Gesichtern. Dabei handelt es sich um eine Entzündung in den Gelenken. Frauen sind von Rheuma häufiger betroffen als Männer. In den meisten Fällen liegt das Alter der Betroffenen zwischen 55 und 75 Jahren. Die Krankheit kann in den verschiedensten Gelenken auf unterschiedliche Art und Weise auftreten. Am häufigsten sind die Fingergelenke betroffen“, so Berling.

 

Bis heute ist nicht wirklich bekannt, welche Ursachen für die Rheumabeschwerden verantwortlich sind. Wissenschaftler vermuten, dass das Erbgut hierbei eine Rolle spielt, Rheumaerkrankungen also innerhalb der Familie weiter gegeben werden können. Auch eine sogenannte Autoimmunreaktion wurde bereits zu den möglichen Urhebern gezählt.

„Weitere Auslöser für Rheuma sind Allergien, Infektionen, Röteln- oder Herpesviren, Übergewicht oder auch starkes Rauchen. Es wird vermutet, dass die Rheumaursachen häufig nicht nur durch einen, sondern mehrere Faktoren begünstigt werden“, ergänzt Berling.

 

So unterschiedlich sich der Krankheitsverlauf darstellen kann, so unterschiedlich sind auch die Symptome. Diese können schleichend über die Dauer von mehreren Jahren oder auch schlagartig einsetzen. Ein Grund für einen schleichenden Verlauf kann beispielsweise die mehr oder weniger spezifische Art der Beschwerden sein, da zu Beginn der Erkrankung vor allem Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Depressionen, leicht erhöhte Temperatur, Gewichtsabnahme oder schlicht ein allgemeines Krankheitsgefühl zu den Symptomen gehören. Dies erschwert eine schnelle Diagnose. Erst im weiteren Verlauf kommen konkretere Symptome wie warme, gerötete oder geschwollene Gelenke hinzu.

 

„Dann können sich die Gelenke verformen und verlieren ihre Beweglichkeit. Besonders nachts treten die Schmerzen auf. Rheuma-Finger können dazu führen, dass der Patient Gegenstände nicht mehr richtig greifen kann. In seltenen Fällen sind außerdem Organe wie Herz, Lunge oder auch Augen betroffen“, schildert Berling den Verlauf der Erkrankung.

 

Für die genaue Diagnose stellt der Rheumatologe zunächst Fragen zur Kranken- und Familiengeschichte, zu den betroffenen Gelenken, zu weiteren Symptomen neben den Gelenkschmerzen und auch zu den Zeitpunkten und der Schwere der Beschwerden. Anschließend können anhand von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) Beschwerden einer rheumatoiden Arthritis diagnostiziert werden. Eine genaue Blutuntersuchung ist ebenfalls Teil der Diagnose.

 

„Für die Behandlung von Rheumapatienten gibt es einen besonders wichtigen Faktor, der entscheidend für den Erfolg der Therapie ist: die Zeit. Je eher mit der Behandlung begonnen werden kann, desto günstiger die Prognose. Erstes und wichtigstes Ziel ist es, Gelenkknorpel und Knochen sowie Gelenkversteifungen zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern“, erklärt Berling.

 

„Rheuma ist nicht heilbar, aber durch eine erfolgreiche Therapie lässt sich oft ein weitgehender Stillstand der Erkrankung erreichen. In den vergangenen Jahren haben sich die medikamentösen Möglichkeiten in der Rheumatherapie erheblich erweitert. So stehen mittlerweile zahlreiche Biologika mit immunmodulierender Wirkung zur Verfügung.

Vor kurzem wurden zwei Medikamente aus einer ganz neuen Wirkstoffklasse zugelassen. Sie gehören zu den sogenannten Januskinase-Inhibitoren. Diese Substanzen hemmen selektiv bestimmte Enzyme. Auf diese Weise können überschießende Entzündungsprozesse unterdrückt werden.

 

Zahlreiche Studien belegen es: Bewegung ist bei rheumatischen Erkrankungen ein wichtiger Baustein der Therapie. Behandlungsverfahren wie Funktions- und Bewegungstraining oder Ergotherapie haben ihren Nutzen bewiesen.

 

„Der Rollstuhl muss nicht mehr die Folge von Rheuma sein“, so der stellvertretende KVN-Chef.