Pressemitteilung

Rheuma - erkennen und behandeln

In Niedersachsen sind rund 80.000 Patienten von Rheuma betroffen. Darauf hat heute in Hannover der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Dr. Jörg Berling, anlässlich des Welt-Rheumatages am 12. Oktober hingewiesen.

 

"Rheuma ist eine Erkrankung mit einhundert Gesichtern, die mit einer Entzündung in den Gelenken gekennzeichnet ist. Etwa zwei Drittel der Patienten sind weiblich. In den meisten Fällen liegt das Alter der Betroffenen zwischen 55 und 75 Jahren. Die Krankheit kann in den verschiedensten Gelenken auf unterschiedliche Art und Weise auftreten - wobei mit etwa 75 Prozent die Fingergelenke am häufigsten befallen werden", so Berling.

 

Bis heute ist nicht wirklich bekannt, welche Ursachen für die Rheumabeschwerden verantwortlich sind. Es wird vermutet, dass beispielsweise das Erbgut hierbei eine Rolle spielt, Rheumaerkrankungen also innerhalb der Familie weiter gegeben werden können. Auch eine sogenannte Autoimmunreaktion wurde bereits zu den möglichen Urhebern gezählt.

 

"Weitere Auslöser, die die Rheumaschmerzen begünstigen können, sind Allergien, Infektionen, Röteln- oder Herpesviren, Übergewicht oder auch häufiges Rauchen. Es wird vermutet, dass die Rheumaursachen häufig nicht nur durch einen, sondern mehrere Faktoren begründet sind, die eine gemeinsame Rolle spielen", ergänzt Berling.

 

So unterschiedlich sich der Krankheitsverlauf darstellen kann, so unterschiedlich sind auch die Symptome. Diese können schleichend über die Dauer von mehreren Jahren oder auch schlagartig einsetzen. Ein Grund für einen schleichenden Verlauf kann beispielsweise die mehr oder weniger spezifische Art der Beschwerden sein, da zu Beginn der Erkrankung vor allem Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Depressionen, leicht erhöhte Temperatur, Gewichtsabnahme oder schlicht ein allgemeines Krankheitsgefühl zu den Symptomen gehört. Dies erschwert eine schnelle Diagnose. Erst im weiteren Verlauf kommen konkretere Symptome wie warme, gerötete oder geschwollene Gelenke hinzu.

 

"Im weiteren Verlauf können sich die Gelenke verformen und verlieren ihre Beweglichkeit. Besonders nachts treten die Schmerzen auf. Rheuma-Finger können dazu führen, dass der Patient Gegenstände nicht mehr richtig greifen kann. In seltenen Fällen sind außerdem Organe wie Herz, Lunge oder auch Augen betroffen", schildert Berling den Verlauf der Erkrankung.

 

Für die genaue Diagnose stellt der Rheumatologe zunächst Fragen zur Kranken- und Familiengeschichte, zu den betroffenen Gelenken, zu weiteren Symptomen neben den Gelenkschmerzen und auch zu den Zeitpunkten und der Schwere der Beschwerden. Anschließend können anhand von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) Beschwerden einer rheumatoiden Arthritis diagnostiziert werden. Eine genaue Blutuntersuchung ist ebenfalls Teil der Diagnose.

 

"Für die Behandlung von Rheumapatienten gibt es einen besonders wichtigen Faktor, der entscheidend für den Erfolg der Therapie ist: die Zeit. Je eher mit der Behandlung begonnen werden kann, desto günstiger die Prognose. Erstes und wichtigstes Ziel ist es, Gelenkknorpel und Knochen sowie Gelenkversteifungen zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern", erklärt Berling.

 

"Rheuma ist nicht heilbar, aber durch eine erfolgreiche Therapie lässt sich oft ein weitgehender Stillstand der Erkrankung erreichen. Die Krankheit kann gut mit einer Kombination aus entzündungshemmenden Medikamenten und anderen Therapien behandelt werden. Regelmäßige Physio- sowie Ergotherapie bilden zwei wichtige Pfeiler der Behandlung, um Muskeln wieder aufzubauen sowie die Gelenke beweglich zu halten. Einen entscheidenden Bestandteil der Therapie stellt außerdem die richtige Ernährung dar", so der stellvertretende KVN-Chef.