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Rund 350 neue Sitze für Ärzte und Psychotherapeuten beschlossen

In der ambulanten Versorgung sollen für Niedersachsen rund 350 zusätzliche Arzt- und Psychotherapeutensitze geschaffen werden. Das ist ein Ergebnis der überarbeiteten Bedarfsplanung, die der Gemeinsame Bundesausschuss in Berlin gestern beschlossen hat. Neue Niederlassungsmöglichkeiten gibt es danach vor allem für Hausärzte und Psychotherapeuten.

 

"Neue Regeln für alte Probleme! Wer glaubt, dass mit der Einführung der neuen Bedarfsplanung die flächendeckende Versorgung im ambulanten Bereich sichergestellt ist, sollte sich nicht täuschen. Durch die Reform der Bedarfsplanung ergeben sich zwar rein rechnerisch rund 350 neue Niederlassungsmöglichkeiten in Niedersachsen. Dies ist aber lediglich ein Rechenmodell. Mit der neuen Richtlinie backen wir keinen einzelnen neuen Arzt oder Psychotherapeuten für Niedersachsen. Arztverschickung auf Kommando ist nicht möglich", sagte Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) heute in Hannover.

 

Grundsätzlich begrüßt die KVN die neue Bedarfsplanung. "Die neue Richtlinie bildet den fiktiven Bedarf noch besser ab als bisher und ermöglicht eine passgenaue Planung. Allerdings müssen die Krankenkassen auch zusätzliches Honorar für neue Ärzte und Psychotherapeuten zur Verfügung stellen. Es kann nicht sein, dass die im System tätigen Ärzte die neuen Kollegen bezahlen", so Barjenbruch.

 

Was ist neu an der Bedarfsplanung? Bei der Festlegung des Bedarfs an Ärzten und Psychotherapeuten wird neben der Zahl der Einwohner sowie deren Alter und Geschlecht in Zukunft noch stärker die Häufigkeit der Erkrankungen innerhalb einer Bevölkerungsgruppe berücksichtigt. Aufgrund des neuen Erkrankungsfaktors wurden die Verhältniszahlen aller Ärzte und Psychotherapeuten zur Einwohnerzahl in einem Planungsbereich neu berechnet. Für einige Fachgruppen wurde zudem das Versorgungsniveau systematisch angehoben.

Den größten Zuwachs verzeichnen Hausärzte mit rund 150 neuen Sitzen, Psychotherapeuten mit rund 80, Nervenärzte mit rund 48 und Kinder- und Jugendmediziner mit rund 40 neuen Sitzen.

 

Inhaltliche Änderungen gibt es bei der Planung von Sitzen für Facharztinternisten mit bestimmten Schwerpunkten. Die Gruppe wird zwar weiterhin in ihrer Gesamtheit geplant. Neu sind aber Mindestquoten und Maximalquoten, um ein ausgewogenes Verhältnis unterschiedlicher Schwerpunkte sicherzustellen. So wird für Kardiologen, Gastroenterologen, Pneumologen und Nephrologen eine Obergrenze eingeführt. Sie legt letztlich fest, wie viele Internisten eines Schwerpunktes es in einem Planungsbereich maximal geben soll.

 

Bei den Rheumatologen wird eine Mindestquote von zunächst acht Prozent eingeführt. Das heißt: Acht Prozent der Facharztinternisten sollen laut Bedarfsplanung Rheumatologen sein. In Planungsbereichen, wo die Quote nicht erreicht wird, können sich Bewerber in dem sonst für Internisten gesperrten Bereich niederlassen. So entstehen zusätzliche Nie- derlassungsmöglichkeiten für Rheumatologen. Weitere Mindestquoten gib es für Nervenärzte, Psychiater und Neurologen sowie für Psychosomatiker.

 

Die neue Bedarfsplanung enthält auch Vorgaben für die Erreichbarkeit von Ärzten. Danach sollen 95 Prozent der Patienten einer Region zum Hausarzt nicht länger als 20 Minuten Fahrtzeit mit dem Auto benötigen. Die Erreichbarkeit für Kinder- und Jugendmediziner wurde auf 30 Minuten, für Gynäkologen und Augenärzte auf 40 Minuten festgelegt.

 

Das Bundesgesundheitsministerium hat zunächst zwei Monate Zeit, den Beschluss des G-BA zu prüfen. Bei Nichtbeanstandung wird er im Bundesanzeiger veröffentlicht und tritt dann in Kraft. Mit Inkrafttreten beginnt die sechsmonatige Frist der KVN für die Umsetzung.