Pressemitteilung

Videosprechstunde ergänzt den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117

Erstmals in Niedersachsen: Videosprechstunde am Wochenende und an Feiertagen möglich

 

Seit dem 25. April 2020 ist der kassenärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 um eine Videosprechstunde am Wochenende und an Feiertagen erweitert worden. In dieser Zeit können Patientinnen und Patienten mit Beschwerden dann online mit einem Arzt sprechen.

 

„Dieses neue Angebot in der Corona-Krise kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Infektionsgefahr für Patientinnen und Patienten auf der einen Seite und Ärztinnen und Ärzte sowie das Praxispersonal  der anderen Seite wird reduziert“, sagt Thorsten Schmidt, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Das zusätzliche digitale Versorgungsangebot trage gerade an den stark belasteten Wochenenden im Bereitschaftsdienst zur Entlastung des Bereitschaftsdienstes bei.

 

„Die Videosprechstunde zeigt, wie die digitalen Möglichkeiten zu einer guten ärztlichen Versorgung beitragen können. In Zeiten von Corona gilt es mehr denn je, die Potentiale zu nutzen“, so Dr. Carola Reimann. „Ein weiteres gutes Beispiel war die telefonische und digitale Krankschreibung. Ärztliche Beratung per Video oder Telefon sind starke Gegenspieler im Kampf gegen die Ausbreitung von Viren. Patientinnen und Patienten müssen sich keinem zusätzlichen Infektionsrisiko aussetzen. Das Verfahren wurde zum 1. Juni ausgesetzt. Für die bevorstehende Erkältungssaison und ein möglicherweise wieder stärker werdendes Corona-Infektionsgeschehen, sollte die digitale Krankschreibung wieder genutzt werden. Ich fordere den Gemeinsamen Bundesausschuss auf, diese Regelung wieder möglich zu machen.“, sagt die Gesundheitsministerin.

 

„Die Videosprechstunde trägt zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in der Corona-Pandemie bei. Mir ist dieses Angebot auch deshalb besonders wichtig“, sagt Gesundheitsministerin Carola Reimann, „weil einige Patientinnen und Patienten aus Sorge um ein erhöhtes Infektionsrisiko gerade zu Beginn der Krise den Arztbesuch gescheut haben. Auch jetzt noch zögern viele, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Videosprechstunde trägt dazu bei, ärztlichen Rat ohne den Gang in die Praxis einzuholen. Darüber hinaus können die hier gesammelten Erfahrungen einen Impuls für die weitere Umsetzung von Projekten der Telemedizin geben. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement ganz herzlich.“

 

So funktioniert das neue Angebot: Wählt ein Patient am Samstag oder Sonntag zwischen 09:00 und 16:00 Uhr die Bereitschaftsdienstnummer 116117, dann wird ihm neben dem bekannten Hausbesuchsdienst in medizinisch vertretbaren Fällen eine Videosprechstunde angeboten. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Anrufer durch den Telefondisponenten nach einem strukturierten medizinischen Ersteinschätzungsverfahren (SmED) auch als möglicher Videopatient eingestuft wird. „Der Anrufer bekommt dann das Angebot, für eine ärztliche Beratung in der Zeit zwischen 13:00 und 17:00 Uhr und nimmt im virtuellen Wartezimmer Platz“, erläutert Dr. Oliver Marschal, ärztlicher Koordinator in der KVN Bezirksstelle Braunschweig. „Dort holt der diensthabende Bereitschaftsarzt den Patienten dann zum vereinbarten Termin online ab. Für Patient und Arzt in Zeiten der bundesweiten Kontaktsperre ein Gewinn“, ergänzt Dr. Marschal.

 

Seit dem 30. Mai bis zunächst zum 30. Juli 2020 wird die Möglichkeit der Videosprechstunde versuchsweise für ganz Niedersachsen angeboten.

 

Der entscheidende Vorteil, gerade in Zeiten der häuslichen Isolation, ist die einfache Handhabung für den Patienten. Ein gängiges Smartphone oder Tablet oder ein häuslicher PC mit Kamera und Mikrofon sind die einfachen Systemvoraussetzungen. Viele Beschwerdebilder lassen sich durch das ärztliche Gespräch klären oder bei Bedarf im Anschluss über einen Fahrdienst mit notwendigem Rezept versorgen.

 

Mit der Videosprechstunde im Bereitschaftsdienst betritt die KVN, wie von der Politik im Kontext des digitalen Versorgunggesetzes gewünscht, Neuland und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur infektionsfreien Versorgung während der Corona-Krise.