Ausstellung in Osnabrück: Ärzte und Patienten im Dritten Reich
Vom 7. Dezember bis 18. Dezember 2026 präsentiert die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) - Bezirksstelle Osnabrück die Wanderausstellung „Systemerkrankung. Arzt und Patient im Nationalsozialismus“. Sie bildet den Abschluss eines von der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) initiierten Forschungsprojekts zur Geschichte ihrer Vorgängerorganisation, der kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (KVD). Die KVD war im Dritten Reich an der Entrechtung und Vertreibung jüdischer sowie oppositioneller Kassenärzte beteiligt.
Im Jahr 2018 hatte die Vertreterversammlung der KBV das ZfA (Zentrum für Antisemitismusforschung) an der Technischen Universität Berlin mit der Erforschung der KVD-Geschichte beauftragt. Den Wissenschaftlern stand dafür das umfangreiche Kölner Archiv der KBV zur Verfügung. Mit der Wanderausstellung präsentiert das ZfA die Ergebnisse seiner mehrjährigen Arbeit für das Projekt „KBV übernimmt Verantwortung“ der breiten Öffentlichkeit.
Allen Interessierten steht die Ausstellung in Osnabrück vom 7. bis 18. Dezember 2026 zur Besichtigung in den Räumen der KVN-Bezirksstelle in Osnabrück, An der Blankenburg 64, 49078 Osnabrück offen (montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 14 Uhr).
Das größtenteils unveröffentlichte Quellenmaterial wurde für die Ausstellung multimedial aufbereitet: mit Texten, Dokumenten, Fotos sowie Ton- und Video-Material. Nach dem zweimonatigen Auftakt 2025 in Berlin ist die Ausstellung 2025 und 2026 nach und nach deutschlandweit bei den Kassenärztlichen Vereinigungen zu sehen gewesen. Die letzte Station der Wanderausstellung ist nun Osnabrück.
Zum Hintergrund: Ärzte nahmen im Dritten Reich eine Schlüsselfunktion ein. Im Namen der sogenannten Rassenhygiene waren sie mitverantwortlich dafür, Menschen in „wertes“ und „unwertes“ Leben einzuteilen - und damit in den sicheren Tod zu schicken. Für Zwangsterilisationen und Krankenmorde zeichneten sie sich ebenso verantwortlich wie für Humanexperimente in Konzentrationslagern. Ärztliche Standesorganisationen wie die KVD schalteten sich kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten gleich. Jüdische Ärzte wurden verdrängt, vertrieben oder zunächst zu „Krankenbehandlern“ degradiert, sodass sie ausschließlich jüdische Patienten versorgen durften. Voraussetzung für zahlreiche NS-Medizinverbrechen war außerdem die Einschränkung der ärztlichen Schweigepflicht, die gebrochen werden durfte, wenn das „gesunde Volksempfinden“ ihr entgegenstand.



