Qualität

Qualität

Bundesweit gelten für die Sicherung der Qualität von ärztlich erbrachten Leistungen einheitliche Maßstäbe. Diese werden in Qualitätssicherungsvereinbarungen und Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) definiert.

 

Neben der ambulanten Qualitätssicherung gibt es auch eine sektorenübergreifende Qualitätssicherung (sQs), die ambulant und stationär erbrachte Leistungsbereiche gleichermaßen betrifft. 

News

Genetische Beratung

 

Der Bewertungsausschuss hat per Beschluss mit Wirkung zum 1. Juli 2022 zwei neue Leistungen in den EBM aufgenommen. In den Abschnitt 1.7.4 wurden die Gebührenordnungspositionen 01789 und 01790 integriert, zwei Beratungsleistungen nach dem GenDG.

 

Beratung zum nicht-invasiven Pränataltest zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomien 13, 18 und 21 (GOP 01789) bzw. die Beratung bei Vorliegen eines positiven nicht-invasiven Pränataltest zur vorgenannten Risikobestimmung. 

 

Auch diese Leistungen können nur von Fachärzt:innen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit der Qualifikation zur fachgebunden genetischen Beratung erbracht und abgerechnet werden.

 

Soweit bereits ein Qualifikationsnachweis gegenüber der KVN für die Abrechnung der GOP 01788 geführt wurde, können auch die neuen Leistungen direkt in Ansatz gebracht werden. Die betreffenden Mitglieder wurden per Informationsschreiben über die neuen Leistungen informiert.

 

Organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme (oKFE)

 

Die Nichtdokumentation in den Verfahren Darmkrebs und Zervixkarzinom ziehen Honorarkürzungen nach sich, denn laut G-BA Richtlinie zu den organisierten Krebsführerkennungsprogrammen setzt die Abrechnung der Leistungen eine vollständige Dokumentation der jeweiligen Untersuchungen voraus. Die KVN überprüft aufgrund dessen quartalsweise, ob für die erbrachten Leistungen entsprechende Dokumentationen an die Datenannahmestelle übermittelt wurden.

 

PET/CT

 

Zum 01.04.2022 wurden neue Gebührenordnungspositionen (GOPen) zur Abrechnung sämtlicher Staging-Untersuchungen des Hodgkin-Lymphoms in den EBM aufgenommen. Demnach gilt ab dem 01.04.2022, dass bei Hodgkin-Lymphomen bei Erwachsenen und bei malignen Lymphomen bei Kindern und Jugendlichen zwei - statt wie bisher eine- Untersuchungen im Behandlungsfall berechnet werden können. Die GOPen 34700 bis 34703 EBM sind nur noch bei Vorliegen mindestens einer enumerativ aufgezählten Indikation nach der Anlage I „Anerkannte Untersuchungs- und Behandlungsmethoden“ der MVV-RL berechnungsfähig. Die (neuen) GOPen 34704 bis 34707 EBM hingegen sind bei Staging-Untersuchungen beim Hodgkin-Lymphom berechnungsfähig (Nr. 6 und Nr. 9 des § 1 Nr. 14 der Anlage I „Anerkannte Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden“ MVV-RL).

 

Damit bereits bestehende PET, PET/CT-Genehmigungen zukünftig auch für die neuen GOPen 34704 bis 34707 EBM gelten, ist es gemäß der Qualitätssicherungs-Vereinbarung PET, PET/CT erforderlich, diese spätestens bis zum 30.09.2022 zu beantragen. Die Genehmigungsinhaber wurden darüber seitens der KVN entsprechend informiert.

 

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung

 

Die Patientenbefragungen im Verfahren „PCI“ sind zum 1. Juli 2022 gestartet.

Somit sind die Leistungserbringer verpflichtet, monatlich bis zum 7., die für die Durchführung der Patientenbefragung erforderlichen Adressdaten an die Datenannahmestelle bei der Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen (LAGN QSmV e.V.) zu übermitteln. Diese leitet die Daten an eine Versendestelle weiter, die wiederum bis zum 15. des Monats anhand der behandlungsspezifischen Daten die Stichprobenziehung vornimmt um spätestens am 16 Tag des Monats die Fragebögen an die Patient:innen versendet.

 

Die Patientenbefragung wird laut DeQS-RL (Richtlinie des G-BA zur datengestützten und einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung) für einen Zeitraum von 4,5 Jahren erprobt. Für diesen Zeitraum werden regelhaft keine Maßnahmen der Stufe 2 (u. a. Vergütungsabschläge) und zum ersten vollständigen Erfassungsjahr keine Stellungnahmeverfahren durchgeführt. Ab dem zweiten vollständigen Erfassungsjahr führen die Fachkommissionen bei ausreichender Datengrundlage sodann Stellungnahmeverfahren durch.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass bei der Patientenbefragung keine Einzelfallbetrachtungen möglich sind. Indikatorergebnisse werden in aggregierter Form über alle Patient:innen eines Leistungserbringers berechnet und dargestellt.

 

Der G-BA hat bereits eine weitere Patientenbefragung für das Verfahren „QS-NET“ (Nierenersatztherapie) in Vorbereitung.

 

Zudem wurde das IQTIG beauftragt, für ein neues Verfahren zur Prozessqualität der Indikationsstellung der Hysterektomie (eine der häufigsten Operationen in der Frauenheilkunde) eine Patientenbefragung zu entwickeln. Letzteres wäre das erste Verfahren, das die Behandlungsqualität ausschließlich aus Patientensicht beurteilen würde, was die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen mit Nachdruck kritisieren. Es kann nicht zielführend sein, die stichhaltigere Beurteilung der Behandlungsqualität anhand der fallbezogenen Dokumentation und die Einbindung der Sozialdaten der Krankenkassen in einem Qualitätssicherungsverfahren außer Acht zu lassen.

 

2024 wird voraussichtlich das Verfahren „Prostatakarzinom“ mit einer Falldokumentation für beide Sektoren unter Einbindung des Krebsregisters in die Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung aufgenommen. Das Verfahren „Ambulante Psychotherapie“ mit einer Dokumentationspflicht zum Ende der Therapie wird nach aktuellen Sachstand nunmehr frühestens 2025 statt wie zuvor 2023 zu erwarten sein.

 

Der G-BA hat zudem kürzlich beschlossen, dass IQTIG zu beauftragen einige QS-Verfahren, u. a. das Verfahren „Perkutane Koronarintervention und Koronarangiographie (QS PCI)“, im Lichte der Weiterentwicklung der datengestützten einrichtungsübergreifenden QS zu überprüfen und konkrete Empfehlungen zur Überarbeitung, Aussetzung oder Aufhebung von Datenfeldern, Qualitätsindikatoren vorzulegen.

 

Ultraschalldiagnostik

 

Die Ultraschall-Vereinbarung hat sich zum 01.07.2022 insofern geändert, als dass es zu Anpassungen bei den Anforderungen an die apparative Ausstattung in der Anlage III gekommen ist. Bei der Anwendungsklasse AK 3.1 (Nasennebenhöhlen, A-Modus) werden die Anforderungen an Messwerte und Messmarker gestrichen. Die Inhalte der Bilddokumentation werden bei den Anwendungsklassen AK 4.5 und AK 4.6 (Herz unter physikalischer oder pharmakodynamischer Belastung) angepasst. Die zugelassenen Schallköpfe wurden bei den Anwendungsklassen AK 21.1 und AK 21.2 (Herz und herznahe Gefäße, Doppler) überarbeitet und bei der Anwendungsklasse AK 21.7 (Herz und herznahe Gefäße, Farbduplex) erfolgt zukünftig eine Differenzierung bei der Untersuchungen von Erwachsenen und Kindern.

 

Zweitmeinungsverfahren

 

Zwei neue Zweitmeinungsverfahren sind kürzlich in Kraft getreten.

 

Im Besonderen Teil der Zweitmeinungsrichtlinie wurde unter Eingriff 7  die „Kathetergestützte elektrophysiologische Herzuntersuchung und Ablationen am Herzen“ angefügt. Eine Zweitmeinung können Fachärzt:innen für Innere Medizin und Kardiologie, Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie, Kinder- und Jugendmedizin und Schwerpunkt Kinderkardiologie oder Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Kinder- und Jugend-Kardiologie erbringen.

 

Unter Eingriff 8 fällt die „Implantation eines Herzschrittmachers, eines Defibrillators oder eines CRT-Aggregats“. Als Zweitmeiner kommen folgende Fachrichtungen in Betracht: Innere Medizin und Kardiologie, Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie, Herzchirurgie, Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Kinder-Kardiologie oder Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Kinder- und Jugend-Kardiologie.

 

Fortbildungspflicht nach § 95d SGB V

 

Zum 01.04.2022 wurden mit Auslaufen der Covid-19-Ausnahmeregelungen die Prüfungen nach § 95d SGB V wieder vollumfänglich aufgenommen, d. h. auch die erforderlichen Honorarkürzungen bei Nichteinreichen des Fortbildungszertifikates (Datenübertragen von der Ärztekammer Niedersachsen an die KVN), mit 10 und 25 %, werden entsprechend umgesetzt.

 

Qualitätsmanagement

 

Die Stichprobenerhebung 2021 (zweijährlich mind. 4 %) bzgl. des Umsetzungsstandes eines praxisinternen Qualitätsmanagements wurde mit einer Rücklaufquote von 93,7 % deutschlandweit erfolgreich abgeschlossen. Es konnte festgestellt werden, dass in den Praxen ein Qualitätsmanagement umfassend und homogen umgesetzt wird. Allerdings konnte die KBV ein Verbesserungspotential von bis zu 40% erkennen. Im Focus standen Risiko- und Schnittstellenmanagement, Mitarbeiter:innen-Fortbildung und für operierende Praxen das Nutzen von OP-Checklisten.

 

Die KVN bietet für Fragen und Umsetzungsstrategien Beratungen an und informiert jene Praxen, die in den vorgenannten Punkten keine Angaben machen konnten, um eine Weiterentwicklung zu unterstützen.

 

Die Abwicklung der Stichproben wurde digital per WebPortal umgesetzt, was von allen Seiten für einen bürokratiearmen Prozess positiv bewertet wurde.

 

AKI – Außerklinischer Intensivpflege

 

Für die außerklinische Intensivpflege wurden die ab 2023 geltenden Formulare auf den Weg gebracht.

 

Für jene Ärzt:innen die vor Verordnung einer außerklinischen Intensivpflege eine Potentialerhebung zur Beatmungsentwöhnung und Dekanülierung vorzunehmen haben, steht das Muster 62A für die Dokumentation des Ergebnisses zur Verfügung.

Für die Verordnung und den Behandlungsplant wurden die Muster 62B und 62C eingeführt.

 

Während das Muster 62A bereits vor Jahreswechsel für die Erhebung verwendet werden kann, stehen die Muster 62B und 62C erst ab dem 1. Januar 2023 zur Verfügung.

 

Die Anpassung des EBM steht noch aus.

 

KSVPsych-RL

 

Der ergänzte erweiterte Bewertungsausschuss hat eine Vergütung für die ambulante Komplexversorgung schwer psychisch kranker Erwachsener beschlossen. Somit kann das neue Versorgungsangebot zum 01.10.2022 starten. Für die Leistungen wird ein neuer Abschnitt 37.5 in das EBM-Kapitel 37 aufgenommen. Die Gebührenordnungspositionen (GOP) dieses Abschnitts können ausschließlich Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten berechnen, die zur Teilnahme an der Komplexversorgung berechtigt sind. Voraussetzung für die Abrechnung ist, dass dem Netzverbund eine Genehmigung durch die KVN erteilt wurde. Anträge können als eFormular (Zugang über unser Mitgliederportal) ab ca. Mitte September gestellt werden. Gleichzeitig müssen die Netzverbünde ihr Angebot und die Erreichbarkeit mitteilen. Auch hier unterstützen wir mit einem eFormular. Weitere Informationen werden demnächst auf der Internet-Seite der KVN zur Verfügung gestellt.

 

Telemonitoring bei Herzinsuffizienz – Start zum 1. April 2022

 

Zum 1. April 2022 ist die neue Qualitätssicherungsvereinbarung Telemonitoring bei Herzinsuffizienz in Kraft getreten. Bisher liegen der KVN nur wenige Anträge vor, was eindeutig an den noch offenen Fragen auf Bundesebene liegt. Die Rechtsabteilung der KBV klärt die Frage der Delegation hinsichtlich der technischen Anforderungen eines Telemedizinischen Zentrums (TMZ), ebenso ist die Ausgestaltung der Vereinbarung zu Anforderungen an technische Verfahren zum Telemedizinischen Monitoring (§ 367a SGB V) noch offen.

 

Auch ist der Datenfluss hinsichtlich der Dokumentationspflicht nach § 6 der Vereinbarung unter Einbindung der Implantat-Hersteller nicht abschließend geklärt. Insbesondere betreffend der externen Geräte müssen bzgl. des Datenflusses und der grundsätzlichen Zusammenführung der Daten noch offene Fragen geklärt werden.

 

Die Umsetzung der ersten Jahresstatistik für 2023 gibt den Kassenärztlichen Vereinigungen und Leistungserbringern glücklicherweise noch zeitlichen Spielraum. Die KBV wird voraussichtlich eine aufwandsarme Lösung bieten.