Respekt

Start der landesweiten Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt.“
Gesundheitsminister Philippi: „Respekt gegenüber den Beschäftigten im Gesundheitswesen ist Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitswesen und eine sichere Versorgung der Bevölkerung“
Das Niedersächsische Gesundheitsministerium startete am 16. September 2026 gemeinsam mit der Ärztekammer Niedersachsen, dem Marburger Bund Niedersachsen, der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen die landesweite Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt“. Die Kampagne soll auf die wiederholte und zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen aufmerksam machen und für einen fairen Umgang mit medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten sensibilisieren. Gewalt und respektloses Verhalten gegenüber Beschäftigten im Gesundheitswesen stellen eine zunehmende Herausforderung dar. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Beschäftigten und die Einrichtungen, sondern letztlich auch auf die Versorgungssicherheit.
Im Fokus der Kampagne steht die Verteilung von Plakaten und Informationspostkarten an niedersächsische Arztpraxen und Krankenhäuser, Media-Kits sowie eine niedersachsenweite Plakatierung im öffentlichen Raum und Kinowerbung. Praxen können sich unter folgendem Link Material herunterladen, bekommen aber in Kürze auch von der KVN Poster und Postkarten zugeschickt.
Stimmen zur Kampagne
Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Gesundheitsminister:
„Die vermehrten Übergriffe der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gefährdet ist und das Arbeitsklima stark belastet wird. Gewalterfahrungen können sich negativ auf Berufszufriedenheit und die Attraktivität der Gesundheitsberufe auswirken. Der gesellschaftliche Respekt und die Wertschätzung gegenüber der Arbeit von Beschäftigten im Gesundheitswesen sind weiterhin unzureichend.
Deswegen brauchen wir neben konkreten Schutzmaßnahmen eine stärkere gesellschaftliche Sensibilisierung. Wer hilft, verdient Respekt. Ein wertschätzender Umgang ist essentiell für ein funktionierendes Gesundheitswesen und eine sichere Versorgung der Bevölkerung.“
Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen:
„In Praxen nimmt die Gewalt zu. Fast jeder zweite Arzt, Psychotherapeut und Medizinische Fachangestellte wurde in den vergangenen fünf Jahren mindestens einmal von einem Patienten körperlich angegriffen oder bedroht. 80 Prozent erfuhren verbale Gewalt. Das sind Ergebnisse einer Online-Umfrage, die die KBV im Jahr 2024 veröffentlicht hat. Die meisten Praxen klagten über eine zunehmende Aggressivität und Respektlosigkeit von Patienten. Beschimpfungen und Beleidigungen gehörten mittlerweile zum Praxisalltag. Einen Grund sehen wir in einem gestiegenen Anspruchsdenken, das teilweise von der Politik und den Krankenkassen geschürt werde. Patienten werden teilweise beleidigend und ausfallend, wenn sie nicht sofort drankommen oder nicht alles auf Rezept verordnet wird.“
Dr. Marion Charlotte Renneberg, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen:
„Beleidigungen, Beschimpfungen, körperliche Übergriffe und extreme Gewalttaten - all dies hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen, und die Gesundheitsversorgung leidet darunter. Für viele Ärztinnen und Ärzte, medizinische Fachangestellte, Pflegefachkräfte und alle anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen gehören Grenzüberschreitungen bedauerlicherweise fast schon zum Berufsalltag. Als Gesellschaft dürfen wir dies nicht tolerieren, denn in letzter Instanz ist hierdurch die Sicherheit der Patientinnen und Patienten in Niedersachsen gefährdet. Gesundheitsversorgung ist nur in einem gewaltfreien Umfeld möglich. Daher lautet unser Appell: Wer hilft, verdient Respekt.“
Hans Martin Wollenberg, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen:
„Mit der Kampagne setzen wir ein klares Zeichen für mehr Respekt im Gesundheitswesen. Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit den Menschen, die täglich für die Gesundheit anderer da sind - und zugleich einen wirksamen Schutz vor Gewalt. Denn ein sicheres und respektvolles Arbeitsumfeld ist die Basis für eine gute und sichere Versorgung. Unsere letzte Mitgliederbefragung MB-Monitor hat gezeigt, wie präsent Gewalt und Respektlosigkeit im ärztlichen Arbeitsalltag sind: Fast 90 Prozent der Befragten erlebten verbale Gewalt, mehr als die Hälfte körperliche Gewalt. Das dürfen wir nicht als Teil des Berufs hinnehmen. Wer hilft, verdient Respekt - und darf nicht selbst zum Opfer von Gewalt werden!“
Helge Engelke, Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft:
„Gewalt gehört nicht ins Krankenhaus. Und sie darf nicht zum Berufsrisiko für diejenigen werden, die täglich für andere da sind. Beschimpfungen, Bedrohungen und körperliche Übergriffe sind keine hinzunehmenden Begleiterscheinungen des Klinikalltags. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Respekt verdient und Anspruch darauf, in einem sicheren Umfeld arbeiten zu können. Die Krankenhäuser tun bereits viel, um ihre Beschäftigten zu schützen. Aber sie können diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Es braucht gesellschaftlich und politisch ein klares Signal: Wer hilft, verdient Respekt. Gewalt verdient eine klare Grenze und Konsequenzen.“
Malte Feurer, Chefarzt der Zentralen Notaufnahmen an den KRH-Kliniken Robert Koch Gehrden und Neustadt am Rübenberge:
„In der Notaufnahme erleben wir täglich, wie schnell angespannte Situationen eskalieren können. Dabei geht es längst nicht nur um körperliche Gewalt. Auch Beschimpfungen, Bedrohungen und Respektlosigkeit gehören für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag. Die Hemmschwelle für Grenzüberschreitungen ist spürbar gesunken.
Mit der Kampagne ‚Wer hilft, verdient Respekt‘ möchte ich daran erinnern, was selbstverständlich sein sollte: Wir sind da, um Menschen zu helfen. Dafür müssen wir weder gefeiert noch besonders behandelt werden - aber wir haben Anspruch auf den Respekt, den jeder Mensch verdient.“
Hintergrund:
Bereits im vergangenen Jahr fanden unter Federführung des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung zwei „Anti-Gewalt-Gipfel“ statt. Gemeinsam mit dem Marburger Bund Niedersachsen, der Ärztekammer Niedersachsen, der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen wurde dort das nun vorgestellte Maßnahmenpaket zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie zum Schutz der Beschäftigten im Gesundheitswesen beraten und die Umsetzung beschlossen.
Darüber hinaus hat das Niedersächsische Gesundheitsministerium im vergangenen Jahr eine Bundesratsinitiative zur Verbesserung des Schutzes der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen eingereicht. Mit der Bundesratsinitiative wird die Bundesregierung aufgefordert, zeitnah einen Gesetzentwurf zur Verbesserung des Schutzes von Beschäftigten im Gesundheitswesen vorzulegen. Neben möglichen strafrechtlichen Anpassungen fordert Niedersachsen auch Maßnahmen zur Prävention von Gewalt, zur Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen und Deeskalationskonzepten sowie zur Verbesserung der Personalausstattung im Gesundheitswesen.