Pressemitteilung

Positiver Trend bei der hausärztlichen Versorgung in Niedersachsen

Zulassung

KVN-Vorstandsvize Thorsten Schmidt: „Damit die Versorgung in Niedersachsen erhalten bleibt, darf die Politik die Niedergelassenen mit unausgereiften Sparvorschlägen nicht verschrecken.“

 

 

Die aktuellen Zahlen der Bedarfsplanungsstatistik der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) zeigen bei der hausärztlichen Versorgung einen positiven Trend: Im Gegensatz zu 2024 sind im vergangenen Jahr elf Hausärztinnen und Hausärzte neu in das System der ambulanten Versorgung gekommen. Damit ist die Anzahl der Zulassungsmöglichkeiten von 447 auf 436 Sitze erstmals seit einigen Jahren gesunken.

 

An der vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung nehmen aktuell 17.110 Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten teil. Damit ist die Anzahl im vergangenen Jahr erneut gestiegen: Insgesamt kamen 225 Ärztinnen und Ärzte sowie Psychogische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im Vergleich zu 2024 hinzu, was einen Zuwachs von 1,3 Prozent bedeutet.

 

„Die Zahlen bestätigen es einmal mehr: Die ambulante Versorgung ist weiterhin die tragende Säule unseres Gesundheitswesens. Insgesamt stemmen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten 97 Prozent der Versorgung. Und die überwiegende Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten arbeitet nach wie vor gern in der eigenen Niederlassung. Doch ebenso deutlich wird: Arztpraxen und Psychotherapeutenpraxen sind keine beliebig verfügbare Ressource“, ordnet der stellvertretende KVN-Vorstandsvorsitzende, Thorsten Schmidt, die Arztzahlstatistik ein. Damit die Versorgung in Niedersachsen erhalten bleibt, müsse die Politik deshalb unbedingt für attraktive Rahmenbedingungen sorgen, anstatt die Niedergelassenen mit unausgereiften Sparvorschlägen aus dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz mit zusätzlichen Belastungen zu verschrecken, betont der KVN-Vize: „Die zur Verfügung stehende Arztzeit bleibt begrenzt - und viele junge Ärztinnen und Ärzte tendieren zur Anstellung oder Teilzeit. Diese Entwicklung muss ernstgenommen werden. Denn ohne die Praxen läuft in der Gesundheitsversorgung so gut wie nichts.“

 

Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der KVN, fügt hinzu: „Wer sich niederlässt, arbeitet mit Herz und hat die Chance, Menschen über Jahre zu begleiten. Diese Nähe zeigt, warum die Praxis vor Ort so eminent wichtig ist. Die Abgangsraten durch die Babyboomer werden zukünftig noch weiter steigen. Das zeigt auch unsere Arztzahlprognose 2040. Deshalb brauchen wir dringend Strukturreformen - unter anderem etwa weniger Bürokratie und eine bessere Patientensteuerung. Da hilft das GKV-Spargesetz überhaupt nicht.“

 

Barjenbruch weiter: „Die Ärzteschaft wird jünger und weiblicher. Immer mehr Ärztinnen und Psychotherapeutinnen übernehmen medizinische Verantwortung und prägen die ambulante Versorgung vor Ort entscheidend mit. Vor allem in diesen Gruppen zeigt sich, dass eine moderne ambulante Versorgung nur gelingt, wenn wir einen Arbeitsalltag ermöglichen, der medizinische Qualität in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig individuelle Lebensrealitäten berücksichtigt. Dafür muss die Politik für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen: weniger Bürokratie, die Abschaffung sinnloser Wirtschaftlichkeitsprüfungen und eine verlässliche Digitalisierung. Es braucht verlässliche Arbeitszeitmodelle, planbare Vertretungsstrukturen und eine funktionierende digitale Infrastruktur. Nur so bleibt die Niederlassung attraktiv und nur so können wir den steigenden Versorgungsbedarf auch künftig zuverlässig decken.“

 

Ein Überblick zur aktuellen Versorgungssituation und zu den Aktivitäten der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) liefert die aktualisierte Infobroschüre „Vertragsärztliche und vertragspsychotherapeutische Versorgung in Niedersachsen 2026“, den die KVN veröffentlicht hat. Der Versorgungsatlas steht im Internet zum Download zur Verfügung:

 

https://www.kvn.de/Versorgungsatlas.html