Information zum Coronavirus (SARS-CoV2 COVID 19)

Coronavirus

Verordnungen

Kann ich einem COVID-19-Patienten einen Krankentransport verordnen?​

Für einen Krankentransport zu nicht aufschiebbaren, zwingend medizinisch notwendigen ambulanten Behandlungen benötigen folgende Patienten vorübergehend keine Genehmigung ihrer Krankenkasse mehr:

  • Versicherte, die nachweislich an COVID-19 erkrankt sind
  • Versicherte, die aufgrund einer behördlichen Anordnung unter Quarantäne stehen

Ärzte und Psychotherapeuten, die für solche Patienten einen Krankentransport (nicht: Krankenfahrt im Taxi) veranlassen, müssen die Verordnung entsprechend kennzeichnen.

Dazu geben sie auf dem Verordnungsformular Muster 4 an, dass es sich um einen nachweislich COVID-19-Erkrankten oder einen gesetzlich Versicherten in Quarantäne handelt.

Die Änderung gilt solange der Bundestag eine „Feststellung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ getroffen hat, derzeit bis zum 30. September 2021.  

Gibt es Sonderregelungen für die Ausstellung von Arzneimittelverordnungen?

Das Ausstellen von Arzneimittelrezepten ist derzeit auch nach telefonischer Anamnese möglich. Voraussetzung ist, dass der behandelnde Arzt sich nach persönlicher Einschätzung vom Zustand der Versicherten durch eingehende Befragung überzeugen konnte. Das Rezept kann wie bisher postalisch übermittelt werden. Diese Regelung ist derzeit bis zum 31.Dezember 2021 befristet.

 

Mit Wirkung ab dem 22. April 2020 ist zudem die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung in Kraft getreten. Ziel dieser Verordnung ist es, das Infektionsrisiko durch reduzierte Apotheken- und Arztkontakte zu verringern und die Arzneimittelversorgung aufrecht zu erhalten.

 

Die Verordnung tritt außer Kraft, wenn die Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite aufgehoben ist, derzeit also bis zum 25. November 2021.

 

Folgende neue Regelungen im Arzneimittelbereich (SGB V) ergeben sich aus der Verordnung:

 

Im Rahmen des Entlassmanagements können Krankenhäuser bei der Verordnung von Arzneimitteln eine Packung bis zum größten Packungsgrößenkennzeichen nach der Packungsgrößenverordnung verordnen.


Krankenhäuser können zudem Verband-, Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege und Soziotherapie für einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen verordnen und die Arbeitsunfähigkeit feststellen. 

 

Folgende Regelungen gelten derzeit bis zum 31. Mai 2022:

 

Apotheken dürfen, wenn das abzugebende Arzneimittel in der Apotheke nicht vorrätig ist, ein anderes vorrätiges, wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben. Ist kein wirkstoffgleiches Arzneimittel in der Apotheke vorrätig und das abzugebende Arzneimittel nicht lieferbar ist, darf ein anderes lieferbares, wirkstoffgleiches Arzneimittel abgegeben werden.
Ist kein entsprechendes Arzneimittel vorrätig oder lieferbar, dürfen Apotheken

  • nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt ein pharmakologisch-therapeutisch vergleichbares Arzneimittel abgeben. Dies gilt auch, wenn der verordnende Arzt den Austausch durch das Setzen eines Aut-idem-Kreuzes ausgeschlossen hat. Die Apotheke muss dies auf dem Rezept dokumentieren, der Arzt muss demnach kein neues Rezept ausstellen.
  • auch ohne Rücksprache mit dem verordnenden Arzt in Bezug auf folgende Punkte von der ärztlichen Verordnung abweichen, wenn dadurch die verordnete Gesamtmenge des Wirkstoffs nicht überschritten wird:

              1. Packungsgröße,

              2. Packungsanzahl,

              3. Entnahme von Teilmengen aus Fertigarzneimittelpackungen, soweit die abzuge                    bende Packungsgröße nicht lieferbar ist,

              4. Wirkstärke, sofern keine pharmazeutischen Bedenken bestehen.


Bei Betäubungsmitteln zur Substitution finden die Nummern 1, 2 und 4 keine Anwendung. Da diese Regelungen eine Information des Arztes z.B. bei der Abgabe von Arzneimitteln mit anderer Wirkstärke nicht vorsehen, sollte aus Gründen der Arzneimitteltherapiesicherheit und um Fehldosierungen zu vermeiden bei Folgeverordnungen auf die richtige Wirkstärke geachtet werden.

 

Folgende Ausnahmen von der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) wurden festgelegt:

  • Betäubungsmittelrezepte dürfen vorübergehend auch außerhalb von Vertretungsfällen – etwa in einer Praxisgemeinschaft – übertragen und von anderen Ärzten verwendet werden.

 

Substitutionsbehandlung von opioidabhängigen Patienten

  • Substitutionsärzte mit einer Genehmigung im Rahmen der sog. Konsiliariusregelung dürfen eine höhere Anzahl von Patienten als die gesetzliche festgelegte von 10 behandeln.
  • Vertretungen eines substituierenden Arztes dürfen die reguläre Dauer überschreiten – auch wenn der Arzt keine suchtmedizinische Qualifikation hat.
  • Die Z-Verordnungen wurden von zwei bis max. 5 Tage auf bis zu 7 Tage ausgeweitet.
  • Binnen einer Kalenderwoche dürfen nun bis zu vier Take-Home-Verordnungen ausgehändigt werden, jedoch nicht mehr als eine Verordnung an einem Tag.
  • Ferner dürfen Take-Home-Verordnungen auch ohne persönliche Konsultation ausgehändigt werden.
  • Steht kein geeignetes Personal nach § 5 Abs. 10 S. 1 und 2 BtMVV zur Verfügung, darf die Überlassung des Substitutionsmittels zum unmittelbaren Verbrauch auch durch volljährige  Botendienste der Apotheke erfolgen. Der Arzt muss in diesen Fällen eine entsprechende Vereinbarung gemäß § 5 Abs. 10 BtMVV treffen.
  • Zur Sicherstellung einer Substitution darf der substituierende Arzt in Notfällen auch für den Fall einer Substitutionstherapie Notfall-Verschreibungen mit der zur Behebung des Notfalls erforderliche Menge Substitutionsmittel ausstellen (gemäß den bestehenden Anforderungen in § 8 der BtMVV).
Gibt es Sonderregelungen für die Ausstellung von Heilmittelverordnungen?

Seit dem 1. Januar 2021 haben Heilmittelverordnungen nach Ausstellung regulär eine Geltungsdauer von 28 Kalendertagen. Dies ist in der neuen Heilmittel-Richtlinie festgelegt.

 

Abgesehen davon gilt derzeit befristet bis zum 31. Dezember 2021, dass nach telefonischer Anamnese Folgeverordnungen von Heilmitteln ausgestellt und per Post zugesandt werden können. Voraussetzung ist, dass bereits zuvor aufgrund derselben Erkrankung eine unmittelbare persönliche Untersuchung durch den verordnenden Vertragsarzt erfolgt ist. Wird die Behandlung länger als 14 Kalendertage unterbrochen, so behält die Verordnung dennoch ihre Gültigkeit.

Gelten auch für die Verordnung von Hilfsmitteln und häusliche Krankenpflege neue Regelungen?​

Folgende Regelungen wurden bis zum 31. Dezember 2021 verlängert:

 

Verordnungen nach telefonischer Anamnese

  • Nach telefonischer Anamnese können Folgeverordnungen von Hilfsmitteln ausgestellt und per Post zugesandt werden. Voraussetzung ist, dass bereits zuvor aufgrund derselben Erkrankung eine unmittelbare persönliche Untersuchung durch den verordnenden Vertragsarzt erfolgt ist.
  • Die Regelung gilt ebenso für die Folgeverordnung von Häuslicher Krankenpflege.

 

Verlängerte Frist zur Vorlage von Verordnungen

  • Die Frist zur Vorlage von Verordnungen von häuslicher Krankenpflege, spezialisierter ambulanter Palliativversorgung sowie Soziotherapie bei der Krankenkasse beträgt derzeit Weiterhin 10 Tage statt 3 Tage.

 

Regelungen zu Folgeverordnungen im Bereich der häuslichen Krankenpflege

  • Im Bereich der häuslichen Krankenpflege können Folgeverordnungen für bis zu 14 Tage rückwirkend erfolgen. Die Begründung der Notwendigkeit bei einer längerfristigen Folgeverordnung von häuslicher Krankenpflege und die 3-Tages-Frist zur Ausstellung der Folgeverordnung entfallen.

 

Videobehandlung bei bestimmten veranlassten Leistungen möglich

  • Folgende Leistungen können per Video durchgeführt werden, sofern der Patient zustimmt und die Behandlung datenschutzkonform erfolgt:
    • Psychiatrische häusliche Krankenpflege (pHKP)
    • Soziotherapie
    • Heilmittel
  • Die Videobehandlung im Bereich der pHKP und der Soziotherapie kann insbesondere dann erfolgen, um eine Krisensituation zu vermeiden, bei deren Bewältigung zu unterstützen oder wenn mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes aufgrund der Leistungsunterbrechung zu rechnen ist.
  • Im Bereich der Heilmittel ist die Videotherapie zulässig bei Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie, Ergotherapie, Ernährungstherapie sowie bestimmten Arten der Physiotherapie.
Ist in der derzeitigen Situation der Versand von Folgerezepten und anderen Formularen an den Patienten per Post möglich?

Es ist derzeit weiterhin möglich, nach telefonischer Anamnese Folgeverordnungen und Überweisungsscheine auszustellen und dies per Post an den Versicherten zu übersenden. Diese Regelung gilt zunächst bis zum 31. Dezember 2021 und umfasst:

  • Folgeverordnungen von Arzneimitteln (auch BtM‐Rezepte) sowie von Verband‐ und Hilfsmitteln, die auf Muster 16 verordnet werden (somit Ausnahme von Sehhilfen und Hörhilfen),
  • Verordnungen einer Krankenbeförderung (Muster 4),
  • Überweisungen (Muster 6 und 10) und
  • Folgeverordnungen für die häusliche Krankenpflege (Muster 12) sowie für Heilmittel (Muster 13)
  • AU-Bescheinigungen

gemäß den Vordrucken für die vertragsärztliche Versorgung (Anlage 2 zum BMV‐Ä).

Voraussetzung für die Ausstellung ist, dass der Patient im laufenden Quartal oder in den letzten sechs Quartalen in der Arztpraxis persönlich vorstellig war. Ärzte rechnen für den Versand des Wiederholungsrezeptes, des Überweisungsscheines oder einer anderen Verordnung die Pseudo‐GOP 88122, die mit 90 Cent bewertet ist, ab.

Da die Abrechnungsbestimmungen zu den GOP 01430, 01435 und 01820 eine Nebeneinanderberechnung anderer GOP ausschließen, wird übergangsweise die Berechnung der Pseudo‐GOP 88122 neben diesen GOP bei postalischer Zustellung der Verordnungen/Überweisungen/Rezepte ermöglicht.